A
A
A

Histaminintoleranz (Histaminose)

Häufigkeit:

Derzeit ist ca. 1% der Gesamtbevölkerung von einer Histaminintoleranz betroffen. 80% der Erkrankten sind weiblichen Geschlechts und meistens um die Vierzig. Hauptursache dafür dürfte die Abnahme der weiblichen Geschlechtshormone sein.

Wodurch werden die Beschwerden ausgelöst?

Histamin ist eine körpereigene Substanz, die bei allergischen Reaktionen wie beispielsweise Heuschnupfen und Asthma produziert wird. Bei zusätzlichem Verzehr von histaminhaltigen Nahrungsmitteln steigt die Histaminkonzentration im Körper an. Daher ist das Risiko einer Histaminintoleranz bei Menschen die bereits durch eine andere Allergie vorbelastet sind höher. Das biogene Amin Histamin wird durch das Enzym Diaminoxidase (DAO) der Darmschleimhaut im Körper abgebaut. Eine Histaminunverträglichkeit entsteht durch einen Enzymmangel und führt zu unvollständigem bzw. stark eingeschränktem Histaminabbau im Körper.  

Drei mögliche Ursachen einer verminderten DAO-Aktivität:

  • angeborener DAO-Mangel (sehr selten, bleibt lebenslang)
  • vorübergehender DAO-Mangel verursacht durch eine Darminfektion (normalisiert sich nach Abklingen des Infektes)
  • verminderte DAO-Aktiviät (durch diaminoxidasehemmende Substanzen)

mögliche Symptome:

  • Beschwerden im Magen-Darm-Trakt (Durchfall, Übelkeit nach dem Essen, Sodbrennen, Blähungen, Magenkrämpfe, Reizmagen, Blähbauch usw.)
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Hautausschlag, Hautrötungen, Nesselsucht, Ekzem
  • Husten, Asthma
  • laufende Nase, Schnupfen
  • niedriger Blutdruck
  • Herz-Rhythmus-Störungen
     

Frische und Zubereitung spielen eine übergeordnete Rolle:

Histamin ist hitzestabil und reichert sich während des bakteriellen Reifungsprozesses in Lebensmitteln an. Der Histamingehalt frischer Nahrungsmittel und nicht aufgewärmter Speisen, die rasch verzehrt werden, ist deutlich geringer. Generell enthalten pflanzliche Lebensmittel wenig Histamin mit Ausnahme von Tomaten, Melanzani, Spinat und Avocado. Bei Einnahme von Medikamenten oder Konsum alkoholischer Getränke kann der Abbau von Histamin im Körper durch Blockierung des Enzyms Diaminoxidase gehemmt werden.

Nahrungsmittel, die Histamin freisetzen (Histaminliberatoren):    

  • Zitrusfrüchte
  • Ananas
  • Erdbeeren
  • Nüsse
  • Papaya
  • Kakao
  • Hülsenfrüchte 
  • Kiwi 
  • Tomaten 

Diaminoxidase blockierende Lebensmittel:

  • Alkohol
  • Mate Tee
  • schwarzer und grüner Tee
  • Kakao
  • Energy Drinks 

Diagnose:

Es existiert bis jetzt keine einheitliche Diagnostik zur Histaminintoleranz. Bei Verdacht wird von einem Allergologen eine gezielte Anamnese des Betroffenen durchgeführt. Allerdings kann erst nach Bestimmung der Histamin-, Diaminoxidase- und Vitamin B6- Konzentrationen im Blut ein gesicherter Befund gestellt werden. Ist der Histaminspiegel  erhöht, die DAO zu niedrig oder es trifft beides zu, besteht eine Histaminintoleranz. Eine niedrige Vitamin B6-Konzentration bewirkt zudem, dass die DAO Histamin nicht mehr ausreichend abbauen kann.

Therapie:

Wichtigste Maßnahme ist eine histaminfreie bzw. histaminarme Ernährung. Die Behandlung der histamininduzierten Symptome erfolgt durch die Einnahme von Antihistaminika. Außerdem sollten Nahrungsmittel, die potentielle Histaminliberatoren enthalten für mindestens drei Wochen, in Absprache mit einem spezialisierten Arzt und einer Ernährungsfachkraft, aus der Ernährung gestrichen werden. Anschließend empfielt es sich eine Provokation bzw. Suchtest, unter ärztlicher Betreuung, durchzuführen. Dabei legt der Arzt die Reihenfolge und Art der Belastungsstoffe während des Suchtests fest.
Weiters wird vermutet, dass zwischen dem Auftreten einer Histaminose und niedrigen Vitamin B6-Spiegeln im Blut ein Zusammenhang besteht, daher muss auf eine Vitamin B6-reiche Ernährung (Fleisch, Vollkornprodukte, Kartoffeln) geachtet werden. Vitamin C ist möglicherweise in der Lage den Histaminabbau zu begünstigen, hierzu scheinen hohe Dosen im Grammbereich notwendig. Allgemein ist zu bedenken, dass jeder Betroffene eine individuelle Histamintoleranzgrenze aufweist.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Histaminintoleranz ist keine Krankheit im klassischen Sinne, es handelt sich um eine spezifische, durch einen Enzymmangel hervorgerufene Nahrungsmittelunverträglichkeit. Mit einer gezielten Ernährungsumstellung können die Betroffenen beschwerdefrei leben.

 

Histamin in Lebensmitteln

[Lebensmitteluntersuchungsanstalt Wien, Zugriff März 2007] 


Gemüse

  • Sauerkraut: 6 - 200 mg/kg
  • Spinat: ca. 30 mg/kg
  • Tomaten (Ketchup): ca. 20 mg/kg

Käse

  • Emmentaler: bis 550 mg/kg
  • Harzer Käse (Quargel): zirka 400 mg/kg
  • Gouda holländisch: 30 bis 180 mg/kg
  • Stilton englisch (Blauschimmelkäse): zirka 160 mg/kg
  • Tilsiter: 50 bis 60 mg/kg
  • Camembert: 40 bis 60 mg/kg
  • Cheddar: zirka 35 mg/kg
  • Monte Nero: zirka 20 mg/kg

Wurst

  • Osso collo: bis 320 mg/kg
  • Salami: bis 280 mg/kg
  • Westfäler Schinken: 40 bis 160 mg/kg
  • Knappseer: zirka 100 mg/kg
  • Heurigensalami: zirka 50 mg/kg

Essig

  • Rotweinessig: zirka 4.000 µg/L

Getränke

  • Rotwein: 60 - 3800 µg/L
  • Champagner: ca. 670 µg/L
  • Sekt: 15 - 80 µg/L
  • Dessertwein: 80 - 400 µg/L
  • Bier: 20 - 300 µg/L
  • Weißwein: 5 - 120 µg/L


histaminarme und histaminreiche Lebensmittel
[VFED, März 2007]
 

 

 

histaminarme Lebensmittel

histaminreiche Lebensmittel

Fleisch/Fisch

grundsätzlich Frisches oder Tiefgefrorenes

grundsätzlich Geräuchertes, Gepökeltes, Mariniertes, Getrocknetes, Verdorbenes, schlecht Gelagertes

Fleisch

frisches Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch, Bratwürste, Fleischwürste, Kochwürste

Rohwürste, Salami, Schinken, Mettwurst, Leber, Leberwurst, Fleischextrakte

Fisch

Dorsch, Seelachs, Scholle, Kabeljau, Rotbarsch, Schellfisch

Hering, Sardellen, Thunfisch, Makrele, Fischkonserven, Schalentiere, Muscheln

Milchprodukte

frische Milch/Milchprodukte, Butter, Kefir, Frischkäse, Quark, Joghurt, Sahne

Lang gereifter Käse wie Emmentaler, Camembert, Tilsiter, Edamer, Chester, Cheddar Roquefort, Sauermilchkäse (Harzer), schimmelgereifter Käse, Schmelzkäse

Getreideprodukte

Getreide und Getreideprodukte

Paniermehl, Fertigbackmischungen

Obst

Melone, Heidelbeeren, Preiselbeeren, Litschi, Mango, Rhabarber, Kirschen, Johannisbeeren, Äpfel, Aprikosen

überreifes Obst, Zitrusfrüchte, Bananen, Pflaumen, Birnen, Kiwi, Erdbeeren, Himbeeren, Obstkonserven, Nüsse

Gemüse

Kartoffeln, Grüner Salat, rote Beete, Kürbis, Zwiebeln, Radieschen, Rettich, Paprika, Karotten, Brokkoli, Gurke, Lauch, Zucchini, Mais, Spargel, Knoblauch

Avocado, Auberginen, Tomaten (Vorsicht auch bei Tomatenketchup), Spinat, Kohlrabi, Pilze, Sauerkraut, eventuell Champignons, Gemüsekonserven

Fertigprodukte

Tiefkühlprodukte, Nudeln

nicht tiefgefrorene Fertigprodukte

Süßwaren

Fruchtbonbons, Fruchtgummi, Kaugummi, Popcorn, Honig

Schokolade, Nougat, Marzipan, Marmelade, Konfitüre, Erdnusscreme

Getränke

Obstsäfte (außer mit Zitrusfrüchten), Kräutertee, grüner Tee

Schwarzer Tee, Brennnesseltee, Tomatensaft

Alkoholische Getränke

Klare Schnäpse, Weißwein, helles Bier (Pils, Kölsch)

Hefeweizen, Rotwein, Liköre, Sekt, Champagner

Sonstiges

Butter, Margarine, Öle

Algenerzeugnisse, Hefe, Hefeextrakte, (Rotwein-) Essig, sauer eingelegtes Gemüse, Sojaprodukte wie Tofu und Sojasoße, Schokolade, Nüsse

 
 

© ÖGE

BESTELLSERVICE

 

Bestellen Sie die Fachzeitschrift

Ernährung aktuell

im Abo oder eine Einzelausgabe

 

mehr Infos

 

7 Stufen zur Gesundheit –
die Österreichische Ernährungspyramide