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Ernährungspyramide

Fruktosemalabsorption

Definition - Prävalenz - Ursachen

 

Definition

Es werden zwei Formen der Fruktoseunverträglichkeit unterschieden:

 

1. Die hereditäre Fruktoseintoleranz ist eine angeborene Stoffwechselstörung. Diese beruht auf einem Enzymdefekt, durch den es in der Folge zu Unterzuckerungen, Leberschäden und Nierenschäden kommen kann. Diese hereditäre Fruktoseintoleranz sollte vor einem Fruktosemalabsorptionstest ausgeschlossen werden, da dieser Test sonst lebensbedrohlich sein kann. Sie wird jedoch ohnehin meist bereits sehr früh diagnostiziert
2. Die Fruktosemalabsorption basiert auf einer gestörten Resorption von Fruchtzucker im Dünndarm.
 

Prävalenz

Fruchtzucker wird von ca. einem Drittel der westeuropäischen Bevölkerung nicht vollständig resorbiert, jedoch nur bei der Hälfte der Betroffenen treten auch Verdauungsbeschwerden auf. Bei mehr als 25% der Betroffenen liegt gleichzeitig eine Laktoseintoleranz vor.

 

Krankheitsursachen und Symptome

Die Ursache für die Fructosemalabsorption liegt in einer Störung des Transportsystems GLUT-5, das beim gesunden Menschen für die Aufnahme (Absorption) von Fruktose aus dem Dünndarm sorgt. Bei einer Störung der Absorption gelangt der mit der Nahrung zugeführte Fruchtzucker daher in tiefere Darmabschnitte, wo er von Bakterien abgebaut wird. Dabei entstehen große Mengen an Wasserstoff, Kohlendioxid und kurzkettige Fettsäuren.

 

Dadurch leiden die Betroffenen an Symptomen wie

  • Blähungen (v. a. durch das Kohlendioxid),
  • Bauchschmerzen und -krämpfe, besonders im rechten oder linken Unterbauch,
  • Übelkeit,
  • plötzlich einsetzender Stuhldrang, weiche Stühle oder Durchfälle (v. a. durch kurzkettige Fettsäuren; manchmal mit Schleim-, nie mit Blutauflagerungen),
  • zeitweise kann auch Verstopfung auftreten,
  • auf Distanz hörbare Darmgeräusche,
  • depressive Verstimmung bedingt durch verminderte Serotoninbildung aufgrund einer gestörten Tryptophanresorption (Serotin = Botenstoff im Gehirn, für die Stimmung verantwortlich),
  • Folsäuremangel oder
  • Immunschwäche bedingt durch einen Zinkmangel.

 

Diagnose

Eine Fruktosemalabsorption wird durch einen H2-Atemtest diagnostiziert. Es wird also der Wasserstoff in der Ausatemluft gemessen, der im Dickdarm gebildet wird. Für die Testdurchführung werden 25g Fruchtzucker benötigt. Steigt die Konzentration von H2 auf mehr als 20 ppm über den Ausgangswert an, liegt eine Fruktosemalabsorption vor. Es kann bei der Fruktosemalabsorption ein Test auf eine genetisch bedingte Erkrankung durchgeführt werden.

 

Therapie

Eine fruktosearme Diät sowie das Streichen von Sorbit vom Speiseplan führen rasch zu Beschwerdefreiheit der Betroffenen. Sorbit, E420 - ein Zuckeraustauschstoff, der vor allem in Diabetikerprodukten und zuckerfreien Kaugummis Anwendung findet, blockiert den Fruktosetransporter GLUT 5 noch zusätzlich und führt daher zu einer Verstärkung der Symptomatik. In Bier und manchen Obstsorten kommt Sorbit natürlich vor.

Vor allem Obstsorten mit hohem Fruktosegehalt wie Äpfel, Birnen, Weintrauben und Zwetschken sind zu meiden. Aber auch Steinobst wie Marille und Pfirsich sollten auf Grund ihres hohen Sorbitanteils nicht verzehrt werden. Fruktose (= Fruchtzucker), ein Monosaccharid, ist in vielen Lebensmitteln enthalten und kommt beispielsweise zusammen mit Traubenzucker (= Glukose) im Haushaltszucker (= Saccharose) vor. Daher wäre es ratsam, auch auf Süßwaren zu verzichten. Glukose (Traubenzucker) und Galaktose (Bestandteil des Milchzuckers) fördern die Fruktoseaufnahme im Dünndarm und dürfen daher auf dem Speiseplan nicht fehlen (Dextroenergen und Milchprodukte). Auch das Fruktose/Glukose Verhältnis im Lebensmittel (Fruktose: Glukose = 1) ist für eine gute Verträglichkeit von Bedeutung.

Ein weiteres Ziel der Ernährungstherapie ist die Verringerung des Risikos einer Vitaminunterversorgung (v. a. mit Zink und Folsäure).

 

Vorsicht vor verstecktem Fruchtzucker!

Fruktose ist außerdem Bestandteil von Honig und Maissirup. Zu beachten ist, dass vor allem diätetische Lebensmittel in der Diabetikerernährung mit Fruktose gesüßt sind und auch, dass in vielen „zuckerfreien" Produkten (Kaugummi!) Fruktose enthalten ist.

Weiters ist Inulin zu 95% aus Fruchtzucker aufgebaut. Es wird wegen seiner Eigenschaften vor allem Broten, Backwaren, Milcherzeugnissen, Brotaufstrichen oder auch Getränken zugesetzt.

Im übrigen kann die individuelle Verträglichkeit von einzelnen Lebensmitteln je nach Tageszeit, Kombination, Menge und Zubereitungsform variieren. Es ist daher anzuraten, Lebensmittel in verschiedenen Kombinationen und Mengen auszutesten, um die individuelle Toleranzschwelle zu finden. Aber auch regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf die Darmmotorik aus

 

Drei Phasen der Ernährungstherapie bei Fruktosemalabsorption
 

1. Karenzphase
Die Karenzphase kann zwei bis vier Wochen dauern. Dabei wird die Kost streng fruktosearm und sorbitfrei gehalten. So klingen die Beschwerden ab und die Darmflora kann sich regenerieren. In dieser Zeit sollten auch schwer verdauliche Gemüsesorten und sämtliche Zuckeraustauschstoffe (wie Maltit, Xylit, Mannit, Isomalt) gemieden werden. Bleiben die Symptome trotz fructosearmer Diät erhalten, sollte eine weitere Abklärung der Symptome erfolgen.

2. Aufbau- bzw. Testphase
Nach dem Abklingen der Symptome werden fruchtzuckerarmen Lebensmittel mengenmäßig gesteigert. Dabei werden auch Speisen mit mittlerem Fruchtzuckergehalt in die Kost aufgenommen und je nach Verträglichkeit und Wiederauftreten der Beschwerden geht dieser Aufbau mehr oder weniger zügig voran. In dieser Phase wird versucht, die individuelle Toleranzgrenze für die Dauertherapie heraus zu finden. Zu beachten ist, dass die Verträglichkeit auch individuellen Schwankungen unterliegt. Ebenso können Stress oder der Menstruationszyklus bei der Fruchtzuckerverträglichkeit eine Rolle spiele.


3. Dauertherapie

Ziel der Dauertherapie ist es nur jene Menge an Fruchtzucker zu essen, die problemlos vertragen wird. Diverse Schwankungen sollten in der Dauertherapie berücksichtigt werden. Treten die ursprünglichen Symptome wieder auf, sollte kurzfristig auf die Lebensmittelauswahl der Karenzphase zurückgegriffen werden. Diese können dann nach und nach wieder gelockert werden, wenn die Symptome abklingen. Es wird keine dauerhafte Fruktosereduktion empfohlen, denn eine komplette Entlastung des Darmes führte oft zu einer noch ausgeprägteren Empfindlichkeit gegenüber Fruktose. Auf Dauer sollte lediglich auf folgende Lebensmittel verzichtet werden:
  • Fruchtsäfte
  • Trockenfrüchte
  • mit Fruchtzucker oder Sorbit gesüßte Diabetiker- oder Diätlebensmittel
  • zuckerfreie Kaugummis bzw. sorbithaltige Zuckerln

 

Meist verträgliche/unverträgliche Lebensmittel

Gruppe

meist verträglich

eher weniger verträglich

Obst

Bananen, Ananas, Kiwi, Rhabarber, Zuckermelone, Mandarinen, Beerenobst, Papaya, Marmeladen mit Traubenzucker, Zitronensaft in kleinen Mengen

Steinobst wie Zwetschken etc., Kernobst wie Äpfel oder Birnen, Dörrobst, Kompotte und Marmeladen mit Haushaltszucker, Fruchtsäfte, Nüsse, fast alle süßen „Light-Produkte"

Süßungsmittel

Traubenzucker (zB Dextroenergen), Milchzucker (außer bei Laktoseunverträglichkeit), Haushaltszucker mit Traubenzucker gemischt (1:0,5)

Fructose, Honig, Sorbit E420, E491-495

Getreide

Reis, Mais (Polenta), Stärke, Hirse, Haferflocken, Quinoa, Roggen, Weizenmehl Typ 450-480

Vollkornprodukte, Weizenkleie, Leinsamen, (Fertig-) Backwaren mit Zucker

Gemüse

Kartoffeln, Zucchini, Karotten, Blattsalate, Spinat, Fenchel, Mangold, Sellerie

Kohlgemüse, Zwiebel, Lauchgemüse, Sauerkraut,

Rohkost und ballaststoffreiche Kost

Milch

Trink-, Butter-, Sauer- oder Dickmilch, Naturjoghurt, Kefir, Käse, Sahne, Sauerrahm, Topfen

Milchmischprodukte, gesüßte Milchprodukte, viele Diät-Produkte, Speiseeis

Fleisch, Fisch, Eier

frisch oder tiefgekühlt, Schinken, Eier

fertige Fleischsalate, Konserven, Wurstwaren mit Zuckerstoffen

Getränke

Wasser, Tee, Kaffee, verdünnte Fruchtsäfte ev. gesüßt mit Traubenzucker, Wein in kleinen Mengen

Bier, pure Fruchtsäfte, Zichorienkaffee, Limonaden, kohlensäurehältige Getränke, Light-Getränke

 

Tipps:

 

  • Früchte: geeignete Sorten wählen, nur eine Portion (max. 120 g) pro Mahlzeit
  • Fruktose in geringen Mengen über den Tag verteilt wird besser toleriert als eine große Menge in kurzer Zeit
  • Zwiebel zum Kochen verwenden, aber nicht mitessen
  • Führen eines Ernährungstagebuchs; Welche Nahrungsmittel machen welche Beschwerden?
  • Zutatenlisten bei Produkten, aber auch von Medikamenten beachten
  • Keine fertigen Gewürzmischungen verwenden

 

 

Quellen:

  1. BUCHART K. Nahrungsmittelallergie, 2. Auflage, Studien-Verlag, Innsbruck, 2005.
  2. LEDOCHOWSKI M. Facharzt für Innere Medizin / Ernährungsmedizin, A-6020 Innsbruck: Internet: www.fructose.at
  3. LEDOCHOWSKI M, FUCHS D, WIDNER B. Fruktosemalabsorption, Journal für Ernährungsmedizin (Ausgabe Österreich), 2000, 2(3) 10-14.
  4. LEDOCHOWSKI M, HÖLZ C, PFANDLE T. Fruchtzuckerarm kochen, 1. Auflage, Krenn-Verlag, Wien, 2004.
  5. TUTZ HU, KIEFER I. Laktose/Fruktose, 1. Auflage, Kneipp-Verlag, Leoben, 2005.
  6. UHLIR C. Bei Reizdarmsymptomatik an Fruktosemalabsorption denken, Ärzte Krone 17/04 S. 40-41.
  7. VEÖ: Nahrungsmittelunverträglichkeiten und deren Auslöser. (2003).

 

© ÖGE (2007)

7 Stufen zur Gesundheit –
die Österreichische Ernährungspyramide

Näheres zu den lebensmittelbasierten Empfehlungen finden Sie hier und unter www.bmg.gv.at