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Essstörungen

Beschreibung der Essstörungen Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge eating disorder, Adipositas - Beratungsstellen

Das Thema Essstörungen rückt in den letzten Jahren verstärkt in das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit.

Was sind Essstörungen und welche formen gibt es?

Essstörungen werden als psychosomatische Störungen des Essverhaltens bezeichnet, die vermehrt bei jungen Mädchen und Frauen auftreten.
Die derzeit bekannten Essstörungen sind:

  • Anorexia nervosa (Magersucht)
  • Bulimia nervosa (Ess - Brechsucht)
  • Orthorexia nervosa
  • Binge eating disorder (BED)
  • Adipositas (Ess - Fettsucht)

Die Anorexia nervosa tritt gehäuft im Alter zwischen 10 und 25 Jahren auf und betrifft zu 90 - 95 % das weibliche Geschlecht.
Im Vordergrund dieser psychogenen Essstörung steht vor allem ein sehr gezügeltes Essverhalten, bzw. ein extremer Verlust an Körpergewicht (BMI unter 17,5), wobei dieses in Extremfällen bis zu 50 % unter dem Idealgewicht liegen kann. Dies wird durch Fasten und Meiden von hochkalorischen Nahrungsmitteln erreicht. Auffällig ist, dass fast alle Magersüchtigen sehr ruhelos sind und einen gesteigerten Bewegungsdrang verspüren. Exzessive sportliche Aktivitäten sind daher ein Mittel um einerseits diesen Drang zu befriedigen und andererseits eine Kontrolle des Körpergewichts zu erreichen.

Neben psychischen Auswirkungen der Krankheit (Depressionen, Schlafstörungen, Isolation) kommt es zu körperlichen Folgen wie z. B. Sinken der Körpertemperatur um 1 - 2°C, Abfall des Blutdrucks, Frieren, Müdigkeit sowie zum Sinken des Östrogenspiegels und dadurch zur Entkalkung der Knochen (Osteoporose) als auch zum Ausbleiben der Menstruation (mindestens drei aufeinander folgende Zyklen).
Erfolgt keine Behandlung, kann die Anorexia nervosa zu einem chronischen Leiden werden und unter Umständen, meist durch Herzversagen oder Suizid, tödlich enden.
Als Therapie wird eine leichte Schonkost empfohlen, die dem Grundumsatz einer normalgewichtigen Person entspricht und langsam gesteigert werden soll. Zusätzlich ist die Betreuung in psychotherapeutischer Form ratsam.

Kennzeichnend für die Bulimia nervosa ist ein regelmäßiger Wechsel zwischen Hungerperioden und Fressanfällen, bei denen große Mengen an Nahrung (im Extremfall 10.000 kcal) in relativ kurzer Zeit (15 Minuten bis 4 Stunden) verschlungen werden. Um eine anschließende Gewichtszunahme zu verhindern, kommt es zu selbst herbeigeführtem Erbrechen, Fastenkuren, übermäßiger körperlicher Aktivität oder der Einnahme von Abführmitteln.
Abhängig vom Schweregrad der Erkrankung kann es zu Herzrhythmusstörungen, Kreislaufproblemen, Zahnschmelzschäden (durch das häufige Erbrechen) oder Elektrolytentgleisung kommen.

Die Bulemia nervosa tritt mit einer Häufigkeit von 1 - 9 % großteils bei Frauen auf, wobei der Altersdurchschnitt etwas höher liegt als bei der Magersucht.

Die Bezeichnung Orthorexia nervosa kommt aus dem Griechischen, wobei „ortho" für „richtig" und „orexis" für „Appetit" steht.
Diese Essstörung wurde vom Mediziner Dr. Steve Bratman definiert und ist die jüngste unter den bisher bekannten psychogenen Essstörungen. Laut Definition haben die Betroffenen den Zwang sich gesund zu ernähren. Es besteht eine große Furcht vor Chemikalien, Fett und Zusatzstoffen, sodass Orthorektiker ihre Lebensmittelauswahl stark einschränken und zwanghaft nur „sichere" Nahrungsmittel verzehren.
Im Gegensatz zu Anorexia und Bulimia nervosa steht hier statt der Quantität eher die Qualität einer Speise im Vordergrund!
Zu gesundheitlichen Schäden führt diese Essstörung im Normalfall nicht, jedoch ist das Verhalten als Zwang und somit als kritisch zu bewerten.

Binge eating disorder (BED) leitet sich aus dem Englischen von „Binge" ab, was soviel wie „Essgelage" bedeutet.
Diese Essstörung ist der Bulemia nervosa sehr ähnlich, da es auch hier zu regelmäßigen Fressanfällen kommt, jedoch fehlt das Kompensationsverhalten. Daher wird die BED meist mit Übergewicht oder Adipositas in Verbindung gebracht (aber nicht jeder Mensch mit Adipositas leidet an BED!)
Von BED spricht man, wenn es über 6 Monate hinweg mindestens 2 Mal pro Woche zu Essanfällen kommt, wobei vom Betroffenen die Kontrolle über die aufgenommene Menge an Nahrung verloren geht.
Typisch für diese Essstörung ist, dass Nahrung aufgenommen wird, ohne ein körperliches Hungergefühl zu verspüren und meist so lange gegessen wird, bis es zu einem belastenden Völlegefühl kommt.

Adipositas, auch Fettleibigkeit oder Fettsucht, bezeichnet die Erkrankung von Personen, die einen BMI über 30 aufweisen.
Durch Fettleibigkeit, besonders aber durch Fettansammlung im Bauchbereich, wird das Risiko für Krankheiten, das Herz-Kreislauf-System oder den Stoffwechsel betreffend, stark erhöht. Außerdem wird die Entstehung von Gallensteinen, Gelenkserkrankungen, bestimmten Krebsarten oder Schlafstörungen durch Adipositas begünstigt.
Ursachen der Fettsucht:

  • positive Energiebilanz über einen längeren Zeitraum
  • Bewegungsmangel
  • psychische Faktoren
  • soziale Faktoren
  • erbliche Veranlagung
  • hormonelle Einflüsse

Je besser die Gründe für die Adipositas bekannt sind, desto gezielter kann zwischen verschiedenen Behandlungsmethoden gewählt werden. Das primäre Ziel einer Adipositastherapie ist die Gewichtsreduktion, die über eine Veränderung des Ernährungsverhaltens sowie eine Erhöhung des Energieverbrauchs in Form von Bewegung erreicht werden soll.
Weitere Ansätze sind eine Verhaltens- bzw. Psychotherapie, der Einsatz von Medikamenten zur Gewichtsreduktion (unter ärztlicher Aufsicht) und unter Umständen ein operativer Eingriff, wie eine Magenverkleinerung oder ein Magenband.


An wen kann ich mich bei Essstörungen wenden?

Beratungsstellen für ganz Österreich finden sie unter:
www.univie.ac.at/essstoerungen/content/kontaktadressen.html

 

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