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Zöliakie

Glutenunverträglichkeit - keine Allergie!

Definition - Symptome - glutenfreie Diät

Bei der Zöliakie (auch Sprue oder Gluteninduzierte Enteropathie genannt) handelt es sich um eine Erkrankung der Dünndarmschleimhaut. Die Erkrankung kann unterschiedlich schwer verlaufen und basiert auf einer Unverträglichkeit des Getreideproteins Gluten. Das Klebereiweiß Gluten ist ein Bestandteil in den Getreidesorten Weizen, Roggen, Gerste und Hafer, sowie deren Abstammungen und Kreuzungen wie Dinkel, Grünkern, Kamut, Einkorn und Emmer.
Die Prävalenz (Häufigkeit) für Zöliakie liegt in Europa bei bis zu einem Prozent.
 

Krankheitsursache:

Der Dünndarm hat die Aufgabe Nährstoffe aus dem Darm in das Blut weiterzuleiten. Durch Faltenbildung und Ausstülpungen der Darmschleimhaut (Dünndarmzotten) entsteht eine sehr große Oberfläche, die nötig ist, um die Nährstoffe aus der Nahrung an das Blut weiterzugeben. Durch das Gluten kommt es bei Zöliakie-Betroffenen zu einer Autoimmunreaktion der Darmschleimhaut. Die Dünndarmzotten bilden sich zurück (Zottenatrophie). Durch diese Zottenatrophie sind Aufspaltung und Resorption der Nahrung im Dünndarm stark eingeschränkt und es kann, da die Oberfläche des Darms immer kleiner wird, zu Mangelerscheinungen kommen. Es kommt zu einem Nährstoffmangel und zu den entsprechenden Folgeerkrankungen. Besonders bedeutend ist ein Eiweißmangel, der entscheidend für Wachstum- und Hormonstörungen ist. Bei schwangeren Frauen wirkt sich der Mangel auf das ungeborene Kind aus.

Symptome sind:

  • Durchfall/Verstopfung
  • Blähungen
  • Übelkeit
  • Krämpfe
  • Gewichtsverlust
  • unspezifisch: Migräne, Depressionen, Nervosität

Tritt die Erkrankung erst im Jugend- und Erwachsenenalter auf, dann sind die Symptome oftmals sehr unspezifisch. Mögliche Symptome neben Malabsorption wären:

  • verzögerte Pubertät
  • Unfruchtbarkeit
  • Zahnanomalien
  • Muskelhypotonie
  • Osteoporose
  • Neurologische Erkrankungen
  • Geschwüre der Mundschleimhaut, des Dünndarms und der Speiseröhre
  • Laktoseintoleranz

Die Erkrankung hat insgesamt einen phasischen Verlauf, wobei die Ausprägung der Symptome von einer schwachen Form bis zu einer Krise variieren kann.

Diagnose:

Die Zöliakie tritt familiär gehäuft auf, es muss also eine genetische Veranlagung vorhanden sein. Die Befragung von Familienmitgliedern auf eine mögliche Erkrankung ist daher in vielen Fällen sehr hilfreich. Obwohl im Blut mancher Patienten Antikörper gegen das Gluten zu finden sind, handelt es sich nicht um eine Allergie. Für eine Diagnose können serologische Tests auf Antikörper gegen Gluten durchgeführt werden. Eine sichere Diagnose erfolgt aber durch den mikroskopischen Nachweis der zerstörten Dünndarmzotten (Magen-Darm-Spiegelung).

Prävention:

Kleine Mengen von glutenhaltigem Getreide können mit Beginn der Beikost gegeben werden. Eine Einführung von kleinen Mengen Gluten zwischen Beginn des 5. Monats und Beginn des 7. Monats während des Weiterstillens, kann der Entstehung von Zöliakie, Diabetes mellitus Typ 1 und Weizenallergie vorbeugen.

Therapie:

Strenge glutenfreie Diät, die ein Leben lang beibehalten werden sollte!
Das bedeutet den vollständigen Verzicht:

  • Weizen
  • Roggen
  • Gerste
  • Hafer
  • Grünkern
  • Dinkel
  • Einkorn
  • Emmer
  • Urkorn
  • Kamut
  • Bulgur
  • Couscous
  • Triticale
  • Wildreis

Stattdessen Produkte aus:

  • Hirse
  • Reis
  • Mais
  • Buchweizen (=Knöterichgewächs, kein Getreide, nicht mit Weizen verwandt)
  • Quinoa
  • Amarant
  • Kartoffel
  • alle Produkte mit „Ersatzbindemittel“ wie Johannisbrotkernmehl, Guarkernmehl, Eiprotein, Tragant

Glutenfreie Produkte können in Reformhäusern, Drogeriemärkten oder Apotheken erworben werden. In der Anfangsphase der Therapie sollte auch Laktose gemieden werden, da oftmals eine Laktoseintoleranz besteht. Nach der Regeneration der Darmschleimhaut werden Milchprodukte wieder vertragen. Aufgrund der Fettabsorptionsstörung wird auch die Aufnahme mittelkettiger Triglyceride (MCT-Fette) empfohlen. Eine Supplementierung mit fettlöslichen Vitaminen wie Vitamin A, D, E und K sowie verschiedenen Mineralstoffen wird empfohlen. Bei einer Nichteinhaltung der Therapie schreitet die Zottenatrophie fort und schwere Erkrankungen können die Folge sein.

 

Kontaktadressen:
Österreichische Arbeitsgemeinschaft Zöliakie
Anton-Baumgartner-Straße 44/C5/2302
A-1230 Wien
email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
http://www.zoeliakie.or.at

Univ. Prof. Dipl. Ing. Dr. H. Vogelsang
Universitätsklinik für Innere Medizin IV
Abteilung für Gastroenterologie, AKH Wien
1090 Wien, Währingergürtel 18 - 20

Leitlinie Zöliakie:

https://www.dgvs.de/wissen-kompakt/leitlinien/leitlinien-der-dgvs/zoeliakie/

 

© ÖGE

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