A
A
A

Karies und Ernährung

Karies

Karies ist nach wie vor eine häufige Infektionskrankheit der Zähne. Sie entsteht durch kariogene Mikroorganismen (v.a. Streptococcus mutans) in der Plaque, welche Kohlenhydrate zu organischen Säuren abbauen. Durch den dabei entstandenen pH-Wert-Abfall in der Plaque wird die Zahnhartsubstanz demineralisiert. Die Verzehrsmenge- und häufigkeit von Saccharose (Haushaltszucker) wird mit der Kariesprävalenz assoziiert, daher sollte grundsätzlich der Zuckerverzehr eingeschränkt werden. [1]

WHO-Empfehlung zur Zuckeraufnahme

Die WHO empfiehlt maximal 10% der täglichen Energie in Form von freien Zuckern aufzunehmen (Mono- und Disaccharide, Zucker in Honig, Fruchtsäften, Fruchtsaftkonzentrat und Sirup). Optimalerweise sollten sogar weniger als 5% der Gesamtenergie aus freiem Zucker stammen. Diese neuen Empfehlungen zur Zuckeraufnahme sollen dazu beitragen, das Risiko für die Entwicklung nichtübertragbarer Erkrankungen bei Erwachsenen und Kindern zu reduzieren. [2, 3, 4,]

Zahnmedizinische Prophylaxe

Die Österreichische Zahnärztekammer empfiehlt folgende Regeln für gesunde Zähne:

  1. gesunde Ernährung (unter Berücksichtigung kariogener Ernährungsfaktoren – entsprechende Aufklärung beim Zahnarzt)
  2. regelmäßige, effektive, individuelle Mundhygiene zu Hause; professionelle, individuelle Zahnreinigung beim Zahnarzt
  3. Fluoridierungsmaßnahmen (zu Hause und/oder beim Zahnarzt)
  4. regelmäßige Zahnärztliche Kontrolluntersuchungen [6]

1. zahngesunde Ernährung

Bakterien in der Mundhöhle vergären den Nahrungszucker zu organischen Säuren, welche den Zahnschmelz entmineralisieren, darum ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung für die Zahngesundheit essentiell. Auch während der Schwangerschaft wird die vorgeburtliche Zahnanlage, Zahnentwicklung und Zahnmineralisation von der Nahrung beeinflusst. [6, 9]

Lebensmittel, die viele Mineralstoffe und Vitamine enthalten (z.B.: Calcium, Fluorid, Vitamin D, Vitamin C), machen die Zähne und das Zahnfleisch widerstandsfähig. Die österreichische Ernährungspyramide gilt als Grundlage bei der richtigen Auswahl und Menge der Lebensmittel. [9]

 

Unterschiedliche kariogene Wirkung von Kohlenhydraten

Von den Makronährstoffen besitzt die Gruppe der Kohlenhydrate die größte kariogene Wirksamkeit.

Kohlenhydrate

Vertreter

Vorkommen in der Nahrung

niedermolekular
Monosaccharide Glukose Obst, Gemüse
Fruktose Obst, Gemüse, Honig
Galaktose Buttermilch
Disaccharide Saccharose Süßwaren, Rübenzucker
Maltose Malzzucker, Sirup
Lactose Milch
Oligosaccharide Raffinose Melasse
hochmolekular
Polysaccharide Stärke pflanzliche Lebensmittel
Glykogen tierische Lebensmittel

Tabelle 1: Einteilung der Kohlenhydrate [6]

einfache Kohlenhydrate

Die Aufnahme von niedermolekularen Kohlenhydraten korreliert mit der Karieshäufigkeit, wobei die Kariesentwicklung vor allem durch Glukose, Fruktose und Saccharose begünstigt wird. [6]

Lactose ist weniger kariogen als Saccharose, da Bakterien die enthaltene Galaktose weniger rasch fermentieren als andere Zucker, mit gleichzeitig geringerer Säurebildung. Aus diesem Grund ist Milch nicht kariogen. [20]

komplexe Kohlenhydrate

Hochmolekulare Kohlenhydrate (Stärke, Ballaststoffe) weisen das geringste kariogene Potenzial auf. Ursache dafür ist, dass diese Kohlenhydrate zuerst in Di- und Monosaccharide aufgespaltet werden, bevor sie zu Säure vergären. Bis dieser Abbau abgeschlossen ist, befinden sich die Kohlenhydrate nicht mehr in der Mundhöhle. Vollkornprodukte, Obst und Gemüse weisen einen besonders hohen Gehalt an komplexen Kohlenhydraten auf. [6]

Zuckeraustausch- und Zuckerzusatzstoff

Zuckeraustauschstoffe dagegen besitzen eine weitaus geringere kariogene Wirkung (Mannit, Sorbit und Xylit). [6]

Zuckerersatzstoffe (Süßstoffe) sind nicht kariogen (Cyclamat, Saccharin, Aspartam und Acesulfam-K). [6]

Verzehrshäufigkeit

Neben der Zuckeraufnahme beeinflusst auch die Häufigkeit der Nahrungsaufnahme die Kariesentstehung. Wird Saccharose während einer Mahlzeit aufgenommen zeigt es eine wesentlich geringere Kariogenität, als bei der Aufnahme „zwischendurch“. Daher besteht die größte Gefahr einer Kariesentwicklung beim „Naschen“ von Süßigkeiten, Eis, aber auch Bananen, Trockenfrüchten sowie Honig. Auch der Dauerkonsum von gesüßten/sauren Fruchtsäften und Tees verursacht große Schäden an den Milchzähnen und beeinträchtigt die Entwicklung des dauerhaften Gebisses. [6]

 

Die Bedeutung ausgewählter Vitamine und Mineralstoffe für die Zahngesundheit

Vitamin D

Vitamin D reguliert den Kalziumstoffwechsel und ist deshalb essenziell für die Zahnentwicklung und die orale Gesundheit. Ein Vitamin-D-Mangel kann zu Mineralisierungsstörungen während der Zahnentwicklung führen sowie zu Kieferdeformierungen mit offenem Biss. [1]

Vitamin C

Vitamin C (Ascorbinsäure) ist für den Menschen ein essenzieller Nährstoff und hat eine wichtige Funktion bei der Kollagensynthese. Mangelzustände führen beim Säugling zur Moeller-Barlow-Krankheit und beim Erwachsenen zu Skorbut, sie äußern sich u.a. in Form von Zahnausfall. In industrialisierten Ländern kommen diese Krankheiten praktisch nicht mehr vor, denn Skorbut kann bereits mit einer Zufuhr von 10 mg Vitamin C/Tag verhindert werden. [11]

Calcium

Calcium ist mengenmäßig der wichtigste Mineralstoff im menschlichen Körper wobei mehr als 99% des Mengenelements in Knochen und Zähnen enthalten ist. Das Knochengewebe ist somit für den Organismus ein wichtiger Calciumspeicher. [12]

Vitamin B2 (Riboflavin)

Riboflavin spielt in Form der Coenzyme eine wesentliche Rolle für die normale Zellfunktion, das Wachstum und die Entwicklung. Ein Riboflavin Mangel tritt selten auf wobei dieser zumeist mit anderen Nährstoffdefiziten zusammenhängt. Symptome beziehen sich hauptsächlich auf die Haut und Schleimhäute und äußern sich in Form von Entzündungen der Mundschleimhaut und Zunge oder auch als schmerzhafte Einrisse der Mundwinkel. [13]

Phosphor

Phosphor kommt im Körper zu 85% im Knochen vor. Zusammen mit Calcium (Calciumphospat) wird die feste Knochen- und Zahnstruktur aufgebaut. [21]

Magnesium

Magnesium hat ähnliche Funktionen wie Calcium u.a. ist es an der Knochenmineralisation beteiligt und es ist wichtig im Energiestoffwechsel. [22]

Weitere Informationen zu den angeführten Mikronährstoffen finden Sie hier

 

2. Regelmäßige, effektive, individuelle Mundhygiene zu Hause/Professionelle, individuelle Zahnreinigung beim Zahnarzt

Eine professionelle Mundhygiene ist Grundvoraussetzung für die Erhaltung der Mundgesundheit und soll Basis jeder zahnärztlichen Behandlung sein. Auch die tägliche, gründliche Mundhygiene zu Hause (inkl. Zahnzwischenräume und Zunge) soll nicht außer Acht gelassen werden. [6]

Die Kommission „Zahnmedizin, Prophylaxe“ des Obersten Sanitätsrates empfiehlt folgende Maßnahmen im Bereich der Individualprophylaxe in der Zahnarztpraxis:

  1. Information, Motivation und Instruktion zur eigenen Mundhygiene
  2. Professionelle Mundhygiene
  3. Fluoridierung
  4. Fissuren Versiegelung [6]

Information, Motivation und Instruktion zur eigenen Mundhygiene

Der Zahnarzt soll regelmäßig (min. 2-mal/Jahr) aufgesucht werden, um eine umfassende Kontrolle inkl. Mundhygiene durchzuführen. Die Aufgabe der ZahnärztInnen ist u.a. ihre PatientInnen individuell über die effiziente Mundhygiene zu informieren, instruieren und motivieren. [15]

Zahnseide & Co

Die Zahnseide dient zur Reinigung enger Zahnzwischenräume, entfernt Plaque und Speisereste, an Stellen wo die Zahnbürste nicht hinkommt und ist für die Erhaltung der Mundgesundheit und Vorbeugung von Zahnverlust unbedingt ein Muss. Bei größeren Abständen zwischen den Zähnen, oder wenn das Zahnfleisch zurückgegangen ist, eignen sich Interdentalbürstchen. [6, 9]

professionelle Mundhygiene

Die professionelle Mundhygiene soll regelmäßig (min. 1-mal/Jahr) durchgeführt und auf individuelle Erfordernisse abgestimmt werden. Sie beinhaltet:

  • Beläge sichtbar machen
  • Biofilm mechanisch entfernen
  • Zahnstein und Konkremente entfernen
  • Politur und Fluoridierung [6]

Fissurenversiegelung

Darunter versteht man den Verschluss der kariesanfälligen Fissuren und Grübchen um die Kariesentstehung vorzubeugen.

Ein lichthärtender, weiß pigmentierter Fissurenversiegeler verschließt die Fissuren mit einer undurchlässigen Schicht und schützt diese gefährdeten Stellen. Folgende Effekte sind: Erhöhung der Schmelzresistenz durch Förderung der Remineralisation und Hemmung der Demineralisation und die Reduktion des Plaquewachstums. [14]

 

3. Fluoridierungsmaßnahmen (zu Hause und/oder beim Zahnarzt)

Kariesprävention mit Fluorid

Eine der wichtigsten Grundlagen der Kariesprophylaxe ist die Anwendung unterschiedlicher fluoridhaltiger Präparate. Zahlreiche Metaanalysen und systematische Reviews kommen zu dem Schluss, dass die Anwendung fluoridhaltiger Präparate zu unterschiedlichen, aber deutlichen Kariesreduktionsraten führt. [2, 5]

Fluoride haben im Wesentlichen folgende Wirkung

  • Hemmung der Demineralisation
  • Förderung der Remineralisation
  • Bildung der kalziumfluoriden Deckschicht
  • Hemmung der Glykolyse

Fluoride sind überall in unserer Umwelt vorhanden und gelangen über Luft, Wasser und Nahrung in unseren Körper (ohne Fluoride kein Skelett, ohne Fluoride keine Zähne). Hinterfragt wird allerdings, ob die Fluoridsupplementierung (zur Verringerung des Kariesbefalls) sinnvoll, notwendig und gesundheitlich unbedenklich ist. Auf jeden Fall sinnvoll ist die Supplementierung in Regionen, wo die Fluoridkonzentration im Trinkwasser unter 1 mg Fluorid/L (1 ppm) liegt. [6]

Fluoridtabletten

Wirkung: Vorbeugung von Karies, schützt den Zahnschmelz vor der Säure und fördert die Remineralisierung [7]. Fluoridtabletten sollen nur dann verordnet werden, wenn nicht zugleich fluoridiertes Salz verwendet wird [2].

Die Empfehlung aus der Deutschen Leitlinie für Fluoridierungsmaßnahmen lautet:

„Fluoridtabletten sind kariespräventiv wirksam. Sie sollten nach dem Zahndurchbruch gelutscht werden, um die topische Wirkungskomponente bestmöglich zu nutzen. Wenn regelmäßig eine relevante Menge an fluoridiertem Haushaltssalz verzehrt wird, sollte die Gabe von Fluoridtabletten beendet werden.“ [2]

Fluorid in der Zahnpasta

Die tägliche Anwendung fluoridhaltiger Zahnpasta (1000-1500 ppm Fluorid) ist eine effektive Methode der Kariesprophylaxe. Die Effektivität hängt von der Fluoridkonzentration und der Anwendungsfrequenz ab. Dies gilt sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene. [2]

Trinkwasser

Fluoridiertes Trinkwasser trägt zur Kariesreduktion bei, jedoch steigt dadurch auch die Prävalenz von Dentalfluorosen (Schmelzbildungsstörungen). Auch in Mineralwässern gibt es nennenswerte Fluoridkonzentrationen. Wird die Säuglingsnahrung damit zubereitet sollte man darauf achten, dass der Fluoridgehalt unter 0,6 mg/l liegt. Die meisten österreichischen Trinkwässer weisen einen Gehalt von unter 0,3 mg Fluorid/l (= 0,3 ppm) auf. Der Gehalt kann beim zuständigen Gemeindeamt erhoben werden. [1, 6]

Speisesalz

Fluoridiertes Speisesalz (etwa 250 mg Fluorid/kg) aber ebenso Milch (1 mg Fluorid/200 ml) kann mit Fluorid angereichert werden. Allerdings ist bei diesen Lebensmitteln die kariespräventive Wirkung auf niedrigem Evidenzlevel belegt. [1]

Die Empfehlung aus der Deutschen Leitlinie für Fluoridierungsmaßnahmen lautet:

„Eine kariesprophylaktische Wirksamkeit der Speisesalzfluoridierung ist beschrieben. In Ländern mit bereits bestehendem hohem Niveau in der Kariesprävention (fluoridhaltige Zahnpasta, Fluoridlack, etc…) ist der zusätzliche Effekt der Verwendung von fluoridhaltigem Speisesalz quantitativ nicht nachweisbar.“ [2]

Richtwerte für die Fluoridzufuhr

Richtwerte für die Fluoridgesamtzufuhr (Nahrung, Trinkwasser und Supplemente)

 

Alter

Gesamtzufuhr Fluorid (mg/Tag)
 

    m w
Säuglinge 0 bis 4 Monate 0,25 0,25
4 bis 12 Monate 0,5 0,5
Kinder 1 bis 4 Jahre 0,7 0,7
4 bis 10 Jahre 1,1 1,1
10 bis 13 Jahre 2,0 2,0
Jugendliche 13 bis 19 Jahre 3,2 2,9
Erwachsene über 19 Jahre 3,8 3,1
Schwangere
Stillende
  3,1
 

Tabelle 2: D-A-CH. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Spurenelemente – Fluorid. [8]

Überdosierung

Auf der einen Seite darf die Fluoridzufuhr nicht zu niedrig sein, auf der anderen Seite kann eine chronische überhöhte Fluoridzufuhr typische Schmelzflecken (Zahnfluorose) zur Folge haben. [8]

Im ersten Lebenshalbjahr ist das Risiko einer chronischen Überdosierung besonders gering, aufgrund der großen Wachstumsrate. Durch eine Supplementierung in den ersten 6 Lebensmonaten ist eine Fluorose der bleibenden Zähne nicht zu erwarten und wurde auch nicht beobachtet. Es wird jedoch davon abgeraten, Früh- und Mangelgeborenen Fluoridsupplemente zu geben, solange sie nicht min. 3000 g wiegen und anhaltend gut wachsen. [8]

 

Zahnpflege zwischendurch

Im Idealfall sollten die Zähne nach jeder Mahlzeit geputzt werden, was im Alltag mit Kindern und meist auch in der Schule nur schwer umsetzbar ist. Trotzdem lässt sich auch zwischendurch einiges für gesunde Zähne tun:

1. Nach dem Essen Wasser nachtrinken oder ausspülen, um grobe Speisereste wegzuspülen. Das Wasser hilft die Säuren im Mund zu „verdünnen“ (= Anstieg des pH-Wertes). [15]

2. Zuckerfreier Kaugummi stellt aus zahnmedizinischer Sicht eine sinnvolle Ergänzung der täglichen Mundhygiene dar. Studien belegen: Regelmäßiges Kauen von zuckerfreiem Kaugummi nach dem Essen und Trinken zwischendurch (zusätzlich zum Zähneputzen morgens und abends) unterstützt die Neutralisierung der Plaquesäuren, die ein Risikofaktor bei der Entstehung von Zahnkaries sind. [15]

 

Zahngesundheit bei speziellen Ernährungsformen und Lebenssituationen

Bei der Sporternährung soll darauf geachtet werden, dass einfache Kohlenhydrate sowie Trockenfrüchte oder Bananen kariogen sein können. Der häufige Einsatz von Sportgetränken (Sportgels, Shakes, Sportriegel) kann den Zahnschmelz angreifen, da diese meist Zucker enthalten. [23]

Bei Menschen die Trinknahrung zu sich nehmen müssen (z.B.: chronisch kranke Personen) soll auf den Zuckergehalt der Produkte geachtet werden, da diese Patienten ohnehin ein höheres Kariesrisiko (Mundtrockenheit, Einschränkungen bei der Mundhygiene) aufweisen. [1]

Aufgrund des extrem hohen Kariesrisikos nach einer Strahlentherapie soll eine Ernährungsberatung durchgeführt werden. [1]

Frühkindliche Karies und Nuckelflaschenkaries

Österreichweit verfügt etwa die Hälfte (55%) der Sechsjährigen über ein kariesfreies Milchgebiss, 45% der untersuchten Sechs- bis Siebenjährigen haben bereits Karieserfahrung. Dies ergab die Länder-Zahnstatuserhebung 2016: Sechsjährige in Österreich. Dabei überprüft die Stelle Mundgesundheit, an der Gesundheit Österreich GmbH, seit 1996 regelmäßig die Mundgesundheit der österreichischen Bevölkerung nach WHO-Methoden. Die aktuelle Zahnstatuserhebung wurde an einer repräsentativen Stichprobe in ersten Volksschulklassen, durch speziell geschulte Zahnmediziner/-Medizinerinnen, durchgeführt (November 2016 und Mai 2017). [16]

Schlussfolgerungen/Empfehlung

Laut WHO wird in Österreich die „Kariesfreiheit bei 80% der Sechsjährigen“ bei gleichbleibendem Trend bis 2020 noch nicht erreicht sein. Intensive Prophylaxe Programme für Risikokinder und zahnärztliche Therapietechniken müssen häufiger eingesetzt werden. Bereits in der Schwangerschaft soll mit der Kariesprophylaxe begonnen werden. [16]

Nuckelflaschenkaries (Nursing-Bottle-Syndrome, NBS)

Nuckelfaschenkaries entsteht durch die häufige oder dauerhafte Gabe von zucker-, kohlenhydrat- oder fruchtsäurehaltigen Getränken mit einer Nuckelflasche, die meist nachts gegeben werden. Auch langes Stillen kann diese Kariesform begünstigen. Die Kleinkinder schlafen oft während des Trinkens wieder ein, sodass die Flüssigkeit über Stunden im Mund bleibt, noch dazu wird in der Nacht weniger Speichel gebildet, der den Zucker im Mund neutralisieren kann. Typische beginnende Anzeichen sind weiße Flecken oder Beläge an den oberen Schneidezähnen, die sich beim Putzen nicht entfernen lassen. Wenn man früh genug handelt, kann man aufwändige Behandlungen und die Zerstörung der Zähne auf das gesamte Gebiss vermeiden. Ab dem Durchbruch der ersten Milchzähne soll man den Zahnarzt für eine Kontrolle aufsuchen. [17, 18]

Folgeerkrankungen

Folgen von Nuckelkaries sind sehr vielfältig, zu ihnen zählen u.a.:

  • vorzeitiger Verlust der Milchzähne; Die wichtige Platzhalterfunktion geht verloren und begünstigt somit Zahnfehlstellungen.
  • Zahnzerstörung mit Schmerzen und starken Entzündungen
  • gestörter Durchbruch der bleibenden Zähne
  • Schädigung der bleibenden Zahnkeime (Entzündungen können im Kiefer liegende, bleibende Zähne befallen)
  • gestörte Sprachentwicklung, Kieferentwicklungsstörungen
  • ungesundes Ernährungsverhalten [17]

Vorbeugung

  • Kinder sollen so bald wie möglich aus einem Becher trinken (ab dem 1. Lebensjahr)
  • Nach dem Durchbruch der Schneidezähne soll die Nahrungszufuhr während der Nacht vermieden werden.
  • Nach dem abendlichen Zähneputzen soll keine Nahrungs- und Getränkezufuhr erfolgen (außer Wasser).
  • Karies ist eine übertragbare Krankheit, darum sollen Schnuller, Löffel, etc… nicht von den Eltern in den Mund genommen werden. Dies vermeidet die Übertragung der Keime aus der Mundhöhle der Eltern. [17]

Sauger/Schnuller

Die Verwendung von Saugern, ist aus zahnärztlicher Sicht bis zum zweiten Lebensjahr unbedenklich. Bis zur Vollendung des dritten Jahres soll dies aber abgewöhnt werden. Bevorzugt sollen kiefergeformte Schnuller, die dem Alter des Kindes angepasst sind, verwendet werden. [19]

 

Quellen

[1] BIESALSKI H.K., BISCHOFF S.C., PIRLICH M., WEIMANN A., Ernährungsmedizin - Zahngesundheit und Ernährung, 841-849, Thieme 2017, Auflage 5.

[2] DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR ZAHN-, MUND- UND KIEFERHEILKUNDE (DGZMK). Leitlinie für Kariesprophylaxe (2013) Internet:https://www.dgzmk.de/uploads/tx_szdgzmkdocuments/kariesprophlang_02.pdf(27.08.2018)

[3] WHO. Guideline: Sugar intake for adults and children (2015) Internet:http://www.who.int/nutrition/publications/guidelines/sugars_intake/en/(27.08.2018)

[4] ÖSTERREICHISCHE GESELLSCHAFT FÜR ERNÄHRUNG. Die Spitze der Ernährungspyramide – Zucker, Zuckerarten und Süßungsmittel. Ernährung aktuell, 1-12, 2/2018.

[5] (Gluzman et al., 2013; Heijnsbroek et al., 2007 Marinho et al., 2002 a,b, 2003 a,b, 2004; SCTAHC, 2002)

[6] ÖSTERREICHISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER. Gesamtösterreichisches Prophylaxeprogramm der Zahn,- Mund- und Kieferheilkunde (2012) Internet: http://www.zahnaerztekammer.at/fileadmin/content/shared/infocenter/leitfaden_muster/prophylaxe/prophylaxeskriptum.pdf (27.08.2018)

[7] Internet:https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Fluoridtabletten(27.08.2018)

[8] D-A-CH. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Spurenelemente – Fluorid. Auflage 2. 3. Aktualisierte Ausgabe 2017.

[9] BUNDESMINISTERIUM FÜR GESUNDHEIT. Zähne – Ausdruck unserer Gesundheit und Schönheit – Tipps für die richtige Zahnpflege und Vorsorge. Internet:https://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/1/2/3/CH1484/CMS1424784958150/zaehne_ausdruckunserergesundheit.pdf(27.08.2018)

[10] D-A-CH. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Fettlösliche Vitamine – Vitamin D. Auflage 2. 3. Aktualisierte Ausgabe 2017.

[11] D-A-CH. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Wasserlösliche Vitamine – Vitamin C. Auflage 2. 3. Aktualisierte Ausgabe 2017.

[12] D-A-CH. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Mengenelemente – Calcium. Auflage 2. 3. Aktualisierte Ausgabe 2017.

[13] D-A-CH. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Wasserlösliche Vitamine – Riboflavin (Vitamin B2). Auflage 2. 3. Aktualisierte Ausgabe 2017.

[14] IVOCLAR VIVADENT Internet:http://www.ivoclarvivadent.com(27.08.2018)

[15] Gesellschaft der Schulärztinnen und Schulärzte Österreichs.Zahngesundheit. Internet:http://www.schulaerzte.at/unsere-themen/zahngesundheit.html(27.08.2018)

[16] GESUNDHEIT ÖSTERREICH GMBH. Länder-Zahnstatuserhebung 2016: Sechsjährige in Österreich. Internet: https://goeg.at/sites/default/files/2017-11/L%C3%A4nder-Zahnstatuserhebung_FINAL.pdf(27.08.2018)

[17] BUNDESZAHNÄRZTEKAMMER – ARBEITSGEMEINSCHAFT DER DEUTSCHEN ZAHNÄRZTEKAMMERN. Frühkindliche Karies vermeiden Internet:https://www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/presse/pk/140207/ECC_Konzept.pdf(27.08.2018)

[18] ÖSTERREICHISCHE GESELLSCHAFT FÜR KINDERZAHNMEDIZIN. Was ist ein Fläschchenkaries. Internet:https://www.kinderzahnmedizin.at/index.php/en/ueber-uns-2/language-style3/elterninformation?elterninfo.html#9(27.08.2018)

[19] OBERÖSTERREICHISCHE GEBIETSKRANKENKASSE. Empfehlung zur Zahngesundheit (2011). Internet:https://www.ooegkk.at/cdscontent/load?contentid=10008.575362&version=1391198737(27.08.2018)

[20] BUNDESMINISTERIUM FÜR ERNÄHRUNG UND LANDWIRTSCHAFT. Ernährungsphysiologische Bewertung von Milch und Milchprodukten und ihren Inhaltsstoffen (2014). Internet:https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/Gesundheit/Milch-und-Milchprodukte.pdf?__blob=publicationFile(27.08.2018)

[21] ELMADFA I. Ernährungslehre. 3. Auflage. Eugen Ulmer Verlag Stuttgart. 2015. Phosphor, Seite 165.

[22] ELMADFA I. Ernährungslehre. 3. Auflage. Eugen Ulmer Verlag Stuttgart. 2015. Magnesium, Seite 166.

[23] LAMPRECHT M, HOLASEK S, KONRAD M, SEEBAUER W, HILLER-BAUMGARTNER D. Lehrbuch der Sporternährung, Das wissenschaftlich fundierte Kompendium zur Ernährung und Sport. 1. Auflage. CLAX Fachverlag Graz. 2017. Seite 485-487.

[24] GESELLSCHAFT FÜR ZAHNGESUNDHEIT, FUNKTION UND ÄSTHETIK. Erosionen – Schädigung der Zahnhartsubstanz durch Säuren. Internet: https://www.gzfa.de/diagnostik-therapie/zahnaesthetik/erosion/(04.09.2018)

© ÖGE 2018

 

BESTELLSERVICE

 

Bestellen Sie die Fachzeitschrift

Ernährung aktuell

im Abo oder eine Einzelausgabe

 

mehr Infos

 

7 Stufen zur Gesundheit –
die Österreichische Ernährungspyramide