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Ernährungspyramide

Bio-Produkte

Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie

Definition und Grundsätze – gesetzliche Regelungen – Kontrolle - Kennzeichnung – ernährungsphysiologische Beurteilung

 

Bio in Zahlen

Österreich ist im Bio-Bereich europaweit Spitzenreiter. Zwei Drittel des Bio-Umsatzes entfallen in Österreich auf den Lebensmitteleinzelhandel. Die Biobauern bewirtschaften mehr als 13 % der gesamten landwirtschaftlichen Fläche Österreichs und rund 16,5 % aller landwirtschaftlichen Betriebe sind Biobetriebe. Bereits rund 21.800 Biobetriebe arbeiten an der Produktion von biologischen Lebensmitteln. Bio erfährt immer größere Wertschätzung bei den heimischen Konsumenten und das Vertrauen in die Qualität von Bio-Lebensmitteln zeigt sich auch im Umsatz, dieser liegt mit 118€ pro Kopf in Österreich im Jahr 2013 im europäischen Spitzenfeld.
Die Versorgung mit Bio-Lebensmitteln steigt auch in der Gemeinschaftsverpflegung. In den Wiener Kindergärten, Krankenanstalten und Pensionistenheimen liegt der Bio-Anteil zwischen 30 und 50 %. [1]

                            

 

Grundsätze des biologischen Anbaus

  • Ökologische Landwirtschaft ist ein ganzheitlicher und umweltschonender Ansatz der Landbewirtschaftungsform und somit mehr als der Verzicht auf Chemie.
  • Kreisläufe sollen möglichst geschlossen sein, das bedeutet ein Vermeiden des Zukaufs von Betriebsmitteln. Anfallender Kompost und Wirtschaftsdünger werden weiterverwendet.
  • Aktivität des Bodenlebens soll erhöht werden und die Fruchtbarkeit somit erhalten bleiben, z. B. durch die richtige Fruchtfolge und Einsatz organischen Düngers.
  • Fernhalten von Schädlingen, Krankheiten und Unkräutern durch Förderung des ökologischen Gleichgewichts. Entfernung von Unkraut erfolgt mechanisch, der Einsatz von Nützlingen ist jedoch möglich.
  • Tierhaltung muss artgerecht erfolgen und ist pro Hektar begrenzt, um die Versorgung durch hofeigen produzierte Futtermittel zu gewährleisten.
  • Pflanzen werden durch organischen Dünger genährt.
  • Fütterung der Tiere mittels Biofutter, vorzugsweise aus dem eigenen Betrieb, keinesfalls Futter mit gentechnisch veränderten Bestandteilen bzw. Stoffen zur Wachstums- oder Leistungssteigerung.
  • Bei kranken Tieren sind naturgemäße Heilverfahren (z. B. Akupunktur, Homöopathie) zu bevorzugen. Tierarzneimittel dürfen nicht präventiv und nur durch einen Tierarzt verabreicht werden. Über die Behandlung müssen genaue Aufzeichnungen geführt werden.


Gesetzliche Regelungen zur Kennzeichnung von Bio-Produkten

Für biologisch erzeugte Lebensmittel gelten strenge Anforderungen, die in der EU-Bioverordnung gesetzlich abgesichert sind. Seit dem Beitritt Österreichs zum Europäischen Wirtschaftsraum im Juli 1994 waren Produktions-, Kontroll- und Kennzeichnungsregelungen der biologischen Landwirtschaft in der EU-Verordnung 2092/91 festgelegt. Die Verordnung sollte den Verbraucherschutz gewährleisten und die Marktbeteiligten vor unlauterem Wettbewerb schützen. Sie trat 1991 in Kraft und wurde in der Folge ständig überarbeitet und ergänzt. Die neue Verordnung (EG) Nr. 843/2007 des Rates über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von solchen Erzeugnissen und deren Durchführungsverordnungen der Kommission ((EG) Nr. 889/2008 und 1235/2008) haben die alte Verordnung (EG) Nr. 2092/91 am 1. Jänner 2009 ersetzt.
Neu ist ebenso, dass ab 1. Juli 2009 nationale Bestimmungen nun auch für die Gastronomie bzw. für die Außer-Haus-Verpflegung gelten. Die genaue Regelung für biologische Produkte in der Gastronomie erfolgt in Österreich im Lebensmittelbuch, Kodexkapitel A8. [5]

Die jährliche Überprüfung des Biobetriebes sowie der weiterführenden Produktionsbetriebe wird von zugelassenen akkreditierten unabhängigen Kontrollstellen durchgeführt, deren Tätigkeit wiederum von der zuständigen Behörde, dem Landeshauptmann im Rahmen der Lebensmittelaufsicht überwacht wird. Die Codenummer der Kontrollstelle muss auf der Verpackung des Bioproduktes zu finden sein. Z. B. Kennzeichnung der Austria Bio Garantie:

AT-N-01-BIO
AT = für Österreich
N = für das Bundesland mit dem Sitz der Kontrollstelle (Niederösterreich)
01 = Referenznummer der Kontrollstelle
BIO = Bezug auf die ökologische/biologische Produktion

Die landwirtschaftlichen Zutaten eines verkaufsfertigen Bioprodukts müssen grundsätzlich zu 100 % aus biologischer Landwirtschaft stammen. Da die Lieferung aller Rohstoffe in Bioqualität aber oft nicht möglich ist, dürfen bis zu 5 % der Zutaten aus konventionellem Anbau stammen. Die EU-(Bio-)Verordnung listet Zutaten aus konventionellem Anbau und nicht landwirtschaftlichem Ursprung auf, die zur Herstellung eines Produktes verwendet werden dürfen.
Sind die strengen Anforderungen der EU-Bioverordnung 834/2007 erfüllt, darf das Bioprodukt in der Verkehrsbezeichnung den Hinweis auf die biologische/ ökologische Produktion tragen. Ebenso dürfen daraus abgeleitete Bezeichnungen und Verkleinerungsformen wie Bio oder Öko allein oder kombiniert verwendet werden.
Von irreführenden Aufmachungen und Kennzeichnungen, die den Eindruck erwecken, das Erzeugnis stamme aus biologischer Produktion sollte man sich nicht täuschen lassen. Echte Bioerzeugnisse tragen immer den verpflichtend anzugebenden Code der Kontrollstellen oder -behörden und ab 1. Juli 2010 bei verpackten Produkten verpflichtend das EU-Logo.

Biologisch erzeugte Produkte können auch mit folgenden Gütesiegel dem AMA-Biozeichen mit oder ohne Ursprungsangabe, einem Handelsmarkenzeichen (Natur Pur, Natur aktiv, Ja!Natürlich u.a.) oder einem Bioverbandszeichen (Bio Ernte Austria, Demeter, Erde & Saat usw.) gekennzeichnet werden.
Ausführliche Informationen über die biologische Landwirtschaft und deren Regeln finden sie auch auf der Website der Kommission: https://ec.europa.eu/agriculture/organic/organic-farming_de


Sind Bioprodukte qualitativ besser?

Die überwiegende Mehrheit der Konsumenten ist von Qualitätsunterschieden zwischen Produkten aus traditioneller und biologischer Landwirtschaft überzeugt. Häufig wird behauptet, Bio-Lebensmittel seien gesünder und/oder würden besser schmecken als konventionelle Lebensmittel. Sind Bio-Lebensmittel zudem nachweislich gesünder und/oder schmecken sie besser als konventionelle Lebensmittel? Eine Literaturrecherche zeigt, dass Aussagen zum Thema Biologische Lebensmittel nicht immer differenziert oder evidenzbasiert sind. Die Produkteigenschaften Frische, Geschmack sowie die Sicherheit biologischer Lebensmittel (Freisein von Pestizidrückständen, Verunreinigungen etc.) sind für Verbraucher besonders wichtig und stellen ein wesentliches Kaufmotiv dar.

Ob Menschen mit ihren Sinnen einen Unterschied zwischen biologisch und konventionell hergestellten Lebensmitteln wahrnehmen können bzw. ob Bio nachweislich besser schmeckt, ist derzeit Thema zahlreicher wissenschaftlicher Studien. Um mit sensorischen Untersuchungen Unterschiede wahrzunehmen, die auf die Art der Landwirtschaft zurückzuführen sind, müssen viele Faktoren berücksichtigt werden.
Hierzu gehören: Sorten- und Bodenunterschiede, Reifegrad von pflanzlichen Lebensmitteln, jährliche Schwankungen oder die unterschiedliche Eignung einzelner Sorten für die jeweiligen Anbaumethoden.

Bei der ernährungsphysiologischen Beurteilung von Bioprodukten wird oft ein höherer Gehalt an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen, Vitamin C, Mineralstoffen und Spurenelementen sowie ein besseres Fettsäuremuster genannt. Zahlreiche Studien zeigten, dass für den Gehalt an Vitamin C und sekundären Pflanzeninhaltstoffen wie zum Beispiel der rote Farbstoff Lycopin der Tomate der Anbau keinen Einfluss hat. [4] Hingegen spielen auch hier der Reifeprozess, Standort, Saison und Sorte eine Rolle für die ernährungsphysiologische Qualität.
Ein Vorteil biologisch erzeugter Produkte ist der Anteil an Schadstoffen und Rückständen: geringere Pestizid- und Mykotoxinbelastung, keine chemisch synthetischen Pflanzenschutzmittel sowie geringere Nitratgehalte.
Während bei konventionell erzeugten Lebensmitteln über 300 Zusatzstoffe erlaubt sind, müssen Bioprodukte - je nach Bio-Siegel - mit ca. einem Zehntel davon auskommen.
In der gültigen EG-Öko-Verordnung werden in einer Positiv-Liste Zusatzstoffe genannt, ohne deren Einsatz bestimmte Produkte nicht hergestellt werden können. Dazu zählen pflanzliche Verdickungsmittel, Emulgatoren und Backtriebmittel. Unzulässig sind: Stabilisatoren, synthetische Farbstoffe, sämtliche Süßstoffe sowie Konservierungsmittel und Geschmacksverstärker.
Vitamin- und Mineralstoffanreicherungen sind nur in den Fällen erlaubt, wo sie gesetzlich gefordert werden. [7]
 

Laut einem systematischen Review von 2009 (qualitative Auswahl von 55 Studien aus über 52.471 Publikationen im Zeitraum 1958-2008) weisen Feldfrüchte aus biologischem Anbau einen höheren Gehalt an Phosphor und titrierbaren Säuren auf. Hingegen fanden sich in Nutzpflanzen aus konventionellem Anbau höhere Stickstoffgehalte. Diese Ergebnisse werden auf die Verwendung von unterschiedlichen Düngern bzw. den Reifegrad bei der Ernte (Säuregehalt) zurückgeführt und haben in den angegebenen  Konzentrationen keinen gesundheitlichen Nutzen. [8]

Im Gegensatz zu drei der untersuchten Reviews aus den Jahren 1999-2003 [9,10,11], konnten die Autoren in ihrer Auswahl an Studien keine eindeutigen Hinweise auf einen höheren Gehalt an Nährstoffen, wie Vitamin C und Magnesium, finden. Ebenso konnten keine Belege für Unterschiede zwischen biologischen und konventionellen Produkten aus Nutztierhaltung sowie im Fett- oder Aschegehalt gefunden werden. [8]

Neben den gesundheitlichen Aspekten sind es vor allem die ökologischen und ökonomischen Aspekte, die Bioprodukte auszeichnen. Geringere Bodenerosionen, Schutz des Trinkwassers, Förderung der Biodiversität und geringerer Energieverbrauch sind nur einige der vielen umweltschützenden Argumente.
Hinsichtlich des ernährungsphysiologischen Wertes und der gesundheitlichen Relevanz konnten aufgrund der aktuellen Datenlage keine eindeutigen, gesundheitlich relevanten Aussagen gemacht werden.
Zukünftige Studien sollten auch immer Bedingungen wie Standort, Reifeprozess und Saison mit einbeziehen. [3]


 © ÖGE 2014

 

Quellen:
[1] BIO AUSTRIA. Der Bio-Landbau in Österreich als Statistik. Marktdaten. Internet: https://www.bio-austria.at/ (Zugriff: 30. April 2009)
[2] Amtsblatt der Europäischen Union, Verordnung (EG) Nr. 834/2007. http://www.slk.at/fileadmin/media/EU_VO_NEU_d_834.pdf (Zugriff: 30. April 2009)
[3] ÖGE. Tagungsband „BIO oder Nicht BIO - das ist hier die Frage". 2009
[4] Mitchell AE et al. Ten-year comparison of the influence of organic and conventional crop management practices on the content of flavonoids in tomatoes. J Agric Food Chem, 2007.
[5] SLK Salzburger Landwirtschaftliche Kontrolle GesmbH. Grundsätze der Bio Zertifizierung. Internet: http://www.slk.at/(Zugriff: 27.09.2018)
[6] Bundesministerium für Gesundheit: http://www.bmg.gv.at
[7] http://www.bio-siegel.de/infos-fuer-verbraucher/bio-lebensmittel/ (31.05.11)
[8] Alan D Dangour et al. Nutritional quality of organic foods: a systematic review. AM J Clin Nutr 2009;90:680-5
[9] Worthington V. Nutritional quality of organic versus conventional fruits, vegetables, and grains. J Altern Complement Med 2001;7:161–73
[10] Magkos F, Arvaniti F, Zampelas A. Organic food: nutritious food or food for thought? A review of the evidence. Int J Food Sci Nutr 2003;54:357–71.
[11] Woese K, Lange D, Boess C, Bögl KW. A comparison of organically and conventionally grown foods - results of a review of the relevant literature- J SCi Food Agric 1999;74:281-93.                                                                              [12] http://www.bmlfuw.gv.at/land/bio-lw/Bioweltmeister.html (3.7.2014)

 

 

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