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Diätetik

Hypertonie (Bluthochdruck)

Definition

Bei einer anhaltenden Erhöhung des systolischen Blutdrucks über 140mmHg und/oder des diastolischen Blutdrucks über 90mmHg wird von Hypertonie/Bluthochdruck gesprochen. [1] Hypertonie ist einer der größten Risikofaktoren für Morbidität und verfrühte Mortalität durch koronare Herzerkrankung, Schlaganfall oder Herzinfarkt. [2]

Unterschieden wird zwischen der primären (essentiellen) und der sekundären Hypertonie. [1]

  • 90% leiden an der primären Form
  • 10% leiden an der sekundären Form, verursacht durch eine andere Erkrankung (Endokrine Hypertonie, Nierenarterienstenose [4], hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft [5])

Risikofaktoren für die Entstehung einer essentiellen Hypertonie [1]

Lebensstilbedingten Risikofaktoren – Rolle der Ernährung

  • Hohe Kochsalzzufuhr
    Eine hohe Zufuhr von Kochsalz steht in direkter Verbindung mit einem erhöhten Blutdruck und der Entstehung von kardiovaskulären Erkrankungen.
    „Salzsensitive" Hypertoniker (ca. 50-60% aller Hypertoniker) reagieren auf eine verminderte Salzaufnahme mit einer starken Blutdruckverringerung. [4]
      Die WHO [11] empfiehlt eine maximale Kochsalzzufuhr von 5 g / Tag, die DGE [10] empfiehlt max. 6 g / Tag. Beide Mengen entsprechen ungefähr einem Teelöffel.
  • Hoher Alkoholkonsum (Blutdrucksteigerung schon ab 1-2 Drinks / Tag) [8]
  • Übergewicht (erhöhtes Risiko ab BMI 27-28 kg/m²) [8]
  • Eine kalium-, kalzium- und magnesiumarme Ernährung scheint sich negativ auf die Hypertonie auszuwirken [2]
  • Fettreiche Kost und eine schlechte Fettqualität wirken sich nicht direkt auf den Blutdruck aus, durch die entstehende Atherosklerose und der damit einhergehenden Verengung der Gefäße kommt es jedoch zu einem Blutdruckanstieg. [8]

 

Prävention und (unterstützende) Therapie der Hypertonie

  • Einschränkung der Salzzufuhr auf < 5 g pro Tag (Reduktion von Fertigprodukten, Fleisch- und Wurstwaren, Käse, Saucen, Fertigsuppen, Brot und Gebäck) [1,6]
  • Gewichtsnormalisierung (BMI < 25 kg/m²) oder Gewichtssenkung um 5-10 % [5]
  • Ballaststoffreiche und mineralstoffreiche (Magnesium, Kalium, Calcium) Kost mit viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen [2,4]
  • Einschränkung des Alkohol- und Nikotinkonsums [4,8]
  • Regelmäßige körperliche Aktivität [4]
  • Einschränkung und Modifikation der Fettzufuhr [1]
  • Effektive Lebensstilmaßnahmen können bei Grad 1 Hypertonie die Notwendigkeit einer medikamentösen Therapie hinauszögern oder sogar übrigen.
    Im Falle einer medikamentösen Therapie kann die Effizienz durch begleitende Lebensstilinterventionen verstärkt werden. [5]

Eine Optimierung von mehreren dieser Faktoren hat einen stärkeren blutdrucksenkenden Effekt als Einzelmaßnahmen.

 

 

© ÖGE (2021)

 

Quellen

[1] JOURNAL OF HYPERTENSION. Guidelines for the management of arterial hypertension of the European Society of Cardiology and the European Society of Hypertension 2018; 36:1953–2041 Internet: https://www.hochdruckliga.at/media/Downloads/2018_ESC_ESH_Guidelines_for_the_management_of.2.pdf (Zugriff: 24.03.2021)

[2] IQBAL S., KLAMMER N., EKMEKCIOGLU C. The Effect of Electrolytes on Blood Pressure: A Brief Summary of Meta-Analyses; Nutrients. 2019 Jun; 11(6): 1362. Internet: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6627949/#__ffn_sectitle (Zugriff: 14.04.2021)

[3] THE CENTRAL EUROPEAN JOURNAL OF MEDICINE. Österreichischer Blutdruckkonsens. Wien Klin Wochenschr; 2019 131 [Suppl 6]:S489–S590 Internet: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s00508-019-01565-0.pdf (Zugriff: 23.03.2021)

[4] DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR KARDIOLOGIE – Herz – und Kreislaufforschung e.v. ESC/ESH Pocket Guidelines – Management der Hypertonie; Version 2018 Internet: https://leitlinien.dgk.org/files/28_2018_pocket_leitlinien_arterielle_hypertonie.pdf (Zugriff:24.03.2021)

[5] DGGG, OEGGG, SGGG. S2k-Leitlinie: Hypertensive Schwangerschaftserkrankunngen: Diagnostik und Therapie; Version 1.1, 2019; Internet: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-018l_S2k_Diagnostik_Therapie_hypertensiver_Schwangerschaftserkrankungen_2019-07.pdf (Zugriff: 24.03.2021)

[6] RUST P., EKMEKCIOGLU C. (2017) Impact of Salt Intake on the Pathogenesis and Treatment of Hypertension. Adv Exp Med Biol. 2017;956:61-84. Internet: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27757935/ (Zugriff: 14.04.2021)

[7] DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR ERNÄHRUNGSMEDIZIN. Leitfaden Ernährungstherapie in Klinik und Praxis (LEKuP) 2019; 392-394; Internet: https://www.dgem.de/lekup Zugriff: 12.04.2021

[8] BIESALKSI et al. Ernährungsmedizin. Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztkammer 2018. Kapitel 61.5.7, Kapitel 46.4.3, Kapitel 46.4.3

[9] RADERMACHER J. Hypertonie. Gefäßchirurgie 2020; 25: 166–171; Internet: https://link.springer.com/article/10.1007/s00772-020-00637-0 (Zugriff: 14.04.2021)

[10] DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR ERNÄHRUNG. Ausgewählte Fragen zu Speisesalz. Internet: https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/faqs/salz/#c2623 (Zugriff: 24.03.2021)

[11] WORLD HEALTH ORGANIZATION (WHO). Fact Sheets, Salt reduction. 2020; Internet: https://www.who.int/en/news-room/fact-sheets/detail/salt-reduction (Zugriff: 24.03.2021)

 

 

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