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Diätetik

Sport als Typ 1 Diabetiker

Bewegung und Sport ist auch im Leben eines Typ 1 Diabetikers wichtiger Bestandteil der Freizeit und ein bedeutender Teil der Therapie. Regelmäßige Bewegung beeinflusst den Stoffwechsel positiv und schützt vor Folgeerkrankungen. 

Dass Sport auch bei Diabetes mellitus Typ 1 gut möglich ist, beweisen zahlreiche Typ 1 Diabetiker im Leistungs- und Spitzensport.

Grundsätzlich sind für Diabetiker vor allem diejenigen Sportarten geeignet, die das Herz-Kreislauf-System und die Atmung besonders trainieren. Hierzu gehören an erster Stelle Ausdauersportarten wie Laufen, Walking, Radfahren, Schwimmen, Gymnastik, Bergwandern Skilanglauf oder Rudern. Die meisten positiven Effekte des Ausdauertrainings betreffen eine Verbesserung des Kohlenhydratstoffwechsels, Abnahme der Insulinresistenz und Verbesserung im Fettstoffwechsel. Von starken körperlichen Belastungen, vor allem im untrainierten Zustand, bei denen eine Unterzuckerung zu lebensgefährlichen Zuständen führen kann, ist jedoch abzuraten. Dies sind vor allem Sportarten, welche man alleine betreibt, da einem bei einer plötzlich auftretenden Hypoglykämie keiner zu Hilfe kommen kann. Beispiele dafür wären Tiefseetauchen, Bergsteigen, Schwimmen, Kanu fahren oder Rudern ohne Begleitung. Wenn begonnen wird, regelmäßig Sport zu treiben, ist ein Gespräch mit dem behandelnden praktischen Arzt von großer Bedeutung, da der Körper neuen und ungewohnten Belastungen ausgesetzt wird. Die damit verbundenen Blutzuckerveränderungen müssen in der Anfangszeit genau überprüft werden. Voraussetzung für Freizeit- als auch Leistungssport ist ein gut eingestellter Diabetes, bei starken Blutzuckerschwankungen ist davon dringend abzuraten.

Auswirkungen körperlicher Aktivität

Bei Diabetikern führt regelmäßige Bewegung dazu, dass Glukose leichter vom Blut in die Körperzellen aufgenommen wird, was ein Absinken des Insulinbedarfes zur Folge hat. Da die Muskulatur belastet wird, erhöht sich die Insulinempfindlichkeit, daher sollte die Dosis vorher reduziert oder aber genug Kohlenhydrate aufgenommen werden, um eine mögliche Hypoglykämie zu verhindern. Unbedingt zu beachten ist, dass die Insulinempfindlichkeit 24 Stunden vorherrscht, weshalb es sehr wichtig ist, auch nach dem Sport den Blutzucker regelmäßig zu messen und die Dosis dem jeweiligen Ergebnis anzupassen.


Tipp: Beobachten Sie sich vor, während und nach dem Sport so genau, dass Sie bedeutsame Veränderungen Ihres Blutzuckerwertes nicht übersehen. Nach einer beobachtungsintensiven Anfangszeit werden Sie sicherer werden. Wenn Sie Erfahrung gesammelt und ein Gefühl dafür entwickelt haben, wie Sie zum Sporttreiben die Insulin- und Kohlenhydratzufuhr anpassen müssen, wird Sie der Diabetes nicht mehr daran hindern, unbeschwert Freude am Sport zu haben.

Durch die individuell unterschiedlichen Reaktionen des Blutzucker-Spiegels auf unterschiedliche körperliche Belastungen bei jedem Einzelnen ist durch eine genaue Dokumentation ein Lernen und Verbessern der Blutzucker-Werte möglich. Während, aber auch nach lang anhaltender sportlicher Betätigung sollten regelmäßig Messungen des Blutzuckerspiegels durchgeführt werden. Als häufigste Komplikation tritt die Hypoglykämie, die während aber auch mehrere Stunden nach der körperlichen Belastung erscheinen kann, auf.

Hypoglykämie:

Ursache einer Hypoglykämie ist immer ein Missverhältnis zwischen Insulin, Ernährung und Bewegung. Gründe dafür könnten eine zu starke Insulinwirkung, zu wenig aufgenommene Kohlenhydrate oder aber eine zu intensive Belastung sein. Eine Unterzuckerung kann sich in Form von Heißhunger, Unruhe, Zittern, Schweißausbrüchen, Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit bis hin zu Krampfanfällen äußern. Für jeden Diabetiker ist es wichtig, dass er seine eigenen Unterzucker-Symptome kennt, um sofort darauf reagieren zu können.  Im Zweifelsfall zeigt ein Blutzuckertest an, ob der Blutzucker tatsächlich zu stark abgefallen ist. Bei einer leichten Hypoglykämie helfen 1 – 2 Stück Traubenzucker (ca. 10-20 g Glukose) oder ein Glas Fruchtsaft. Bei schwereren Unterzuckerungen oder hypoglykämischen Schocks ist sofort der Notarzt zu rufen.

Hyperglykämie:

Die Hyperglykämie stellt eine weitere Komplikation dar. Ursache eines zu hohen Blutzuckerspiegels ist in erster Linie ein Mangel an Insulin. Eine Hyperglykämie macht sich meist durch Müdigkeit, Kraftlosigkeit, vermehrten Durst, vermehrtes Wasserlassen oder einen trockenen Mund bemerkbar und kann, sofern keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, zu einem ketoazidotischen Koma führen. Zur Behandlung muss eine Blutzuckerbestimmung durchgeführt und anschließend eine zusätzliche Dosis zur Korrektur des Insulins verabreicht werden.

Faustregeln für sporttreibende Typ 1 Diabetiker:

  • Blutzucker < 100 mg/dl: mindestens eine Zusatz-BE vor Sportbeginn
  • Blutzucker zwischen 100-250 mg/dl: die Sportfähigkeit kann als gegeben angesehen werden
  • Blutzucker > 250 mg/dl: Ketonbestimmung im Harn: Ist Harnketon positiv, sollte die sportliche Aktivität verschoben, sowie zunächst Insulin verabreicht werden. Bei Blutzuckerwerten über 250 mg/dl kommt es beim Training zu einer weiteren Zunahme des Blutzuckerspiegels und somit auch zu einem Anstieg der Ketonkörper im Blut, was die Gefahr eines Ketoazidotischen Komas (diabetische Stoffwechselentgleisung) zur Folge hat.

Um den Körper vor dem Training nicht unnötig zu belasten, sollte auf fettreiche Mahlzeiten und große Portionen verzichtet werden. Für Sportler ist es empfehlenswert, eine der körperlichen Aktivität angepasste, leicht verdauliche Kost zu sich zu nehmen. Die großen Hauptmahlzeiten sollten mindestens 3 Stunden zurückliegen.

Ist eine sportliche Aktivität von hoher Intensität bzw. langer Dauer (über 60 Minuten) geplant, sollten folgende zusätzliche Broteinheiten eingenommen werden.

  • Blutzucker um die 80 mg/dl. Zusätzlich 3 – 4 BE
  • Blutzucker zwischen 80 – 150 mg/dl: zusätzlich 2 BE

Wird eine sportliche Aktivität für einen längeren Zeitraum geplant, ist ebenfalls eine Reduktion der Insulintherapie zwischen 30%-60% zu empfehlen (sowohl Basal- als auch Bolusinsulin).

(http://www.cauza.at/cauza.pdf/Patienten.pdf)

Allgemeine Bewegungsempfehlungen:

Alltagsbewegungen: täglich mindestens 30 Minuten

Beispiele: Stiegen statt Lift, Fahrrad statt Auto, Spaziergang, Gartenarbeit,…

Ausdauer: 3 – 5 x pro Woche mindestens 20 Minuten

            Beispiele: Nordic walking, Laufen, Fahrrad fahren, Tanzen, Fußball spielen,…

Kraft: 2 – 3 x pro Woche mindestens 10 Minuten

            Beispiele: Klettern, Schwimmen, Gymnastik, Yoga, Krafttraining mit Gewicht,...

Fazit

Trotz aller Gefahren, die bei Diabetes und Sport auftreten können, ist sportliche Aktivität für Diabetiker empfehlnswert, da es sich positiv auf das Herzkreislaufsystem und Blutdruck auswirkt und die Lebensqualität verbessert.

 

© ÖGE

 

Literaturtipps:

„Diabetes- und Sportfibel“ Mit Diabetes weiter laufen, Ulrike Thurm & Bernhard Gehr, 3. Auflage, 2009, Verlag Kirchheim, Mainz

„Diabetes und Sport“, Robert Behrmann & Jürgen Weineck, 2. Auflage, 2001, Verlag Spitta,

„Gut leben mit Typ-1-Diabetes“, Renate Jäckle, Axel Hirsch, Manfred Dreyer, 6. Auflage, 2007, Urban & Fischer Verlag, München

„Sieben Welten“, Geri Winkler, 2011, Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien

„Aufbruch in die Grenzenlosigkeit“, Geri Winkler, 2000, Verlag Winkler Gerhard

http://www.aktive-diabetiker.at

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