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Nahrungsmittelallergien

Wie häufig ist eine Nahrungsmittelallergie?

Eine richtige Nahrungsmittelallergie tritt sehr selten auf, daher ist nur ein geringer Teil der Weltbevölkerung (ca. 1 – 10%) davon betroffen. Derzeit haben in Österreich, Deutschland und der Schweiz ca. 4% der Kinder und 2 – 3% der Erwachsenen eine „echte“ Lebensmittelallergie. In den meisten Fällen ist die Ursache der Beschwerden „lediglich“ in einer Nahrungsmittelunverträglichkeit zu suchen.

Allergien im Vormarsch?

Die Zahl der Neuerkrankungen steigt jährlich um ca. 10% an, was einer Verbesserung der Testverfahren zur Diagnosestellung zu „verdanken“ ist, denn für viele ist es eine wahre Erleichterung die Ursache ihrer Beschwerden zu kennen und durch Einhalten einer Diät wieder mehr Lebensqualität zurück zu gewinnen. Aber auch eine Veränderung unserer Essgewohnheiten führt zu einem kontinuierlich ansteigenden jährlichen Zuwachs an Betroffenen. Kürzere Stillzeiten bei Säuglingen, zu frühes Einführen von Beikost und das Füttern vieler verschiedener Lebensmittel können zum Auslöser einer Allergie werden. Ebenso der Konsum exotischer Nahrungsmittel bei Erwachsenen, wenn bereits eine genetische Vorbelastung vorhanden ist, wie beispielsweise Nüsse oder Früchte. Auch stark verarbeitete Lebensmittel (z. B.: Fertigprodukte, Tiefkühlprodukte) können ihren Beitrag zur Entstehung einer Allergie beitragen. Frisch zubereitete Speisen sind zu bevorzugen!

Wodurch wird eine Nahrungsmittelallergie ausgelöst?

Eine Allergie ist eine überschießende Reaktion des Immunsystems nach mehrmaligem Kontakt mit Stoffen, die es als fremd ansieht. Die allergieauslösenden Nahrungsbestandteile werden als Allergene bezeichnet und man vermutet, dass die Neigung zur Überreaktion des Immunsystems angeboren ist. Bei Nahrungsmittelallergien reagiert der Körper auf Eiweißbestandteile in Lebensmitteln und löst eine Überreaktion des Immunsystems aus. Durch diese Warnsignale werden Antikörper gebildet; so genannte Immunglobuline. Diese gehören zum Typ E und werden daher als IgE (Immunglobuline E) bezeichnet.

Welche Symptome können auftreten und wodurch?

Der Körper bildet Abwehrstoffe dagegen, bindet diese an bestimmte Zellen und dadurch werden Gewebshormone wie beispielsweise Histamin freigesetzt. Histamin ist für viele Allergiesymptome im Körper verantwortlich wie beispielsweise Hautrötung, Luftröhrenverengung und Schwellung. Dadurch kommt es an den Schleimhäuten zu heftigen allergischen Reaktionen (laufende Nase, tränende Augen, Juckreiz, Asthmaanfall).
In den meisten Fällen ist die Ursache der Beschwerden jedoch keine immunologisch bedingte Nahrungsmittelallergie, sondern eine Nahrungsmittelunverträglichkeit.

Was ist der Unterschied zwischen einer Allergie und einer Intoleranz?

Da die Symptomatik der Nahrungsmittelallergie ähnlich der der Nahrungsmittelunverträglichkeit ist, fällt es oft schwer diese zu unterscheiden. Es folgt eine kurze Erklärung dazu:
Die klassische Nahrungsmittelallergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf - für Gesunde - ungefährliche Substanzen, die vom Körper als Fremdstoffe angesehen werden.

Wie kommt es zu einer Allergie?

Unser Immunsystem kann zwischen körpereigenen und körperfremden Substanzen unterscheiden und unterteilt diese noch einmal in schädliche und unschädliche. Dadurch schützt uns unser Körper vor Krankheitserregern, Viren und Bakterien.
Eine Lebensmittelallergie entsteht durch eine Überreaktion des Immunsystems auf Eiweißbestandteile in Lebensmitteln. Durch diese Warnsignale des Immunsystems an den Körper werden Antikörper gebildet; so genannte Immunglobuline. Diese gehören zum Typ E und werden daher als IgE (Immunglobuline E) bezeichnet.
Durch die Bildung dieser Antikörper wird das Immunsystem sensibilisiert. Bei erneutem Verzehr des allergieauslösenden Lebensmittels („Antigen“) bekämpft der Körper das aufgenommene Antigen mit den zuvor gebildeten Antikörpern. Dies führt zu einer Freisetzung von Stoffen, welche für die Allergiesymptome in unserem Körper verantwortlich sind. Zwischen der Sensibilisierung des Immunsystems und dem Auftreten der ersten Symptome können mehrere Jahre vergehen.
Zusammenfassend wird eine Nahrungsmittelallergie durch Antikörper-bildung, Sensibilisierung und darauf folgende Symptomatik hervorgerufen.

Bei Kindern treten oft andere Allergien auf als bei Erwachsenen

Säuglinge reagieren häufig auf Kuhmilch, Ei und Soja, während bei Kindern zusätzlich auch noch Nüsse, Getreide und Fisch eine Rolle spielen können. Die häufigsten Allergieauslöser bei Erwachsenen sind vor allem Getreide, Ei, Fisch, Nüsse, Milch, Gewürze, Obst und Gemüse. Lebensmittelallergien bei Kindern treten vor allem während der ersten drei Lebensjahre in Erscheinung und verschwinden meist bis zum Schuleintritt wieder. Allergien, die erst im Erwachsenenalter auftreten, verschwinden leider in den seltensten Fällen wieder.
Das Auftreten von Allergien kann genetisch bedingt sein. Sind also die Eltern bereits betroffen, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass auch das Kind eine Allergie entwickeln wird.

Allergierisiko eines Neugeborenen:

[aid e.v., DGE e.V.: Allergie(-risiko). (1482/2009)]

 

Kein Elternteil allergisch 15%
Ein Geschwister allergisch 25 - 35%
Ein Elternteil allergisch 20 - 40%
Beide Eltern allergisch 50 - 60%
Beide Eltern allergisch mit gleicher Allergie 60 - 80%


Die wichtigsten Begriffe im Überblick (per Klick erfahren Sie mehr):

Milchallergie
Eiallergie
Fischallergie
Getreideallergie
Zöliakie
Kreuzallergien
Pseudoallergien
Nahrungsmittelintoleranz (bzw. -unverträglichkeit)
Laktoseintoleranz
Fruktosemalabsorption
Histaminintoleranz
Neurodermitis

Diagnostik von Allergien:

Zuerst wird die Anamnese durchgeführt, um in Erfahrung zu bringen, welche Symptome in Zusammenhang mit bestimmten Nahrungsmitteln auftreten. Um im Vorfeld die richtigen Fragen zu stellen, ist viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl nötig. Anschließend werden in der Diagnostik zwei Verfahren angewandt, die nur in Kombination wirklich aussagekräftige Ergebnisse liefern können.
 

  • Blutuntersuchung (In-vitro-Diagnostik)
    Der Gesamt-IgE Wert im Blut wird bestimmt; er soll Hinweise auf Allergene geben, bei denen eine hohe Sensibilisierung vorliegen kann. Zu den meist angewandten Verfahren zählen der RAST und der ImmunoCAP Test. Bei niedrigen RAST-Klassen im Bluttest kann der Betroffene das Lebensmittel beschwerdefrei genießen.
     

  • Hauttest:
    Dazu zählen der Prick Test und der Prick-zu-Prick Test.
    Der Prick-Test gibt Auskunft darüber in welchen Lebensmittel-gruppen mit Sensibilisierungen zu rechnen ist. Es werden Allergenextrakte auf die Haut aufgetragen und durch anschließendes einritzen (=pricken) dieser können die Allergentropfen in die obersten Hautschichten einziehen und eine allergische Reaktion (Rötung) auslösen. Es wird auch eine Negativ-Kontrolle mit Kochsalz und eine Positiv-Kontrolle mit Histamin durchgeführt. Nach Eingrenzung der möglichen sensibilisierten Lebensmittelgruppen wird der Prick-zu-Prick Test durchgeführt. Hierbei werden einzelne Lebensmittel in nativer Form auf die Haut aufgetragen und geprickt.
      

Deklarationspflicht von Lebensmitteln mit allergenem Potenzial
Häufige Auslöser von Nahrungsmittelallergien und –intoleranzen müssen laut neuer Lebensmittelkennzeichnungsverordnung vom November 2005 in der Zutatenliste angegeben werden.

Liste der Lebensmittelzutaten mit allergieauslösendem Potenzial:

  • Glutenhaltige Getreide (d. h. Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut oder deren Hybridstämme) sowie daraus gewonnene Erzeugnisse
    a) Glukosesirupe auf Weizenbasis einschließlich Dextrose
    b) Maltodextrine auf Weizenbasis
    c) Glukosesirupe auf Gerstenbasis
    d) Getreide zur Herstellung von Destillaten oder Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs für Spirituosen und andere alkoholische Getränke
  • Krebstiere und daraus gewonnene Erzeugnisse
  • Eier und daraus gewonnene Erzeugnisse
  • Fische und daraus gewonnene Erzeugnisse, außer
    a) Fischgelatine, die als Träger für Vitamin- oder Karotinzubereitungen verwendet wird
    b) Fischgelatine oder Hausenblase, die als Klärhilfsmittel in Bier und Wein verwendet wird
  • Erdnüsse und daraus gewonnene Erzeugnisse
  • Sojabohnen und daraus gewonnene Erzeugnisse, außer
    a) vollständig raffiniertes Sojabohnenöl und -fett
    b) natürliche gemischte Tocopherole (E306), natürliches D-alpha-Tocopherol, natürliches D-alpha-Tocopherolazetat, natürliches D-alpha-Tocopherolsukzinat aus Sojabohnenquellen
    c) aus pflanzlichen Ölen aus Sojabohnen gewonnene Phytosterine und Phytosterinester
    d) aus Pflanzenölsterinen gewonnene Phytostanolester aus Sojabohnenquellen
  • Milch und aus Milch gewonnene Erzeugnisse (einschließlich Laktose), außer
    a) Molke zur Herstellung von Destillaten oder Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs für Spitituosen und andere alkoholische Getränke
    b) Lactit
  • Schalenfrüchte, d. h. Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Kaschunüsse, Pekannüsse, Paranüsse, Pistazien, Makadamiannüsse und Queenslandnüsse und daraus gewonnene Erzeugnisse, außer
    a) Schalenfrüchte für die Herstellung von Destillaten oder Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs für Spirituosen und andere alkoholische Getränke
  • Sellerie und Sellerieerzeugnisse
  • Senf und Senferzeugnisse
  • Sesamsamen und Sesamsamenerzeugnisse
  • Schwefeldioxid und Sulfite in einer Konzentration von mehr als 10mg/kg oder 10mg/l, als SO2
  • Lupinen und daraus gewonnene Erzeugnisse
  • Weichtiere und daraus gewonnene Erzeugnisse

Bei vielen Menschen werden nach den Mahlzeiten allergische Reaktionen hervorgerufen, die sie aber schwer selbst zuordnen können. Andere sind durch zahlreiche positive Allergietests stark verunsichert und schränken Ihren Speiseplan immer stärker ein. Außer-Haus-Essen wird immer risikoreicher, die soziale Flexibilität sinkt dadurch. Auch der allgemeine Ernährungszustand der Betroffenen verschlechtert sich häufig durch strikte Allergenkarenz. Ein individuelles Gespräch mit einem Allergologen und ein Besuch bei der Diätberatung können den Betroffenen die ernährungsbedingte Umstellungsphase stark verkürzen und Ihnen viele praktische Alltagstipps für ein beschwerdefreies Leben mitgeben.

 

Quellen:

 

[1] AKNÖ: Nicht alles ist eine Allergie. (2004)

[2] aid e.V.: Lebensmittelallergien. aid-Vertrieb DVG, Birkenmaarstraße 8, D-53340 Meckenheim. (1415/2000)

[3] aid e.v., DGE e.V.: Allergie(-risiko). (1482/2009)
Buchart K: Nahrungsmittelallergie, (2.Auflage 2005). Studienverlag, Innsbruck (2003)

[4] ÖGE: Wenn Kuhmilch nicht vertragen wird - Alternativen in der Kinderernährung. Ernährung aktuell 01/2003

[5] ÖGE: Mehr Lebensqualität trotz Laktoseintoleranz. Ernährung aktuell 01/2006

[6] VEÖ: Nahrungsmittelunverträglichkeiten und deren Auslöser. (2003) („Nix für Milchfans und Obsttiger: Laktose- und Fruktoseintoleranz")

 

 

 

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