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Ernährungspyramide

Zöliakie bzw. Weizenunverträglichkeit

Zöliakie – eine Glutenunverträglichkeit – keine Allergie

Was ist Zöliakie bzw. Weizenunverträglichkeit und wie muss die Nahrungsmittelauswahl gestaltet werden?

 

Definition

Bei der Zöliakie (auch Einheimische Sprue oder Gluteninduzierte Enteropathie genannt) handelt es sich um eine Erkrankung der Dünndarmschleimhaut. Tritt die Erkrankung im Kindesalter auf, wird sie als Zöliakie bezeichnet. Tritt sie hingegen im Erwachsenenalter auf, dann nennt man sie Einheimische Sprue. Die Erkrankung kann unterschiedlich schwer verlaufen und basiert auf einer Unverträglichkeit des Getreideproteins Gluten.

! Die Zöliakie ist keine Nahrungsmittelallergie!

Prävalenz

In Europa soll bis zu einem Prozent der Bevölkerung betroffen sein. Seit der verbesserten Diagnostik mit Serum-Antikörpern fallen ständig mehr Fälle auf. Zuletzt sank die Inzidenz in Europa auf 1:200 bzw. 1:100.

Krankheitsursachen und Symptome

Der Dünndarm hat die Aufgabe Nährstoffe aus dem Darm in das Blut weiterzuleiten. Durch Faltenbildung der Darmschleimhaut und Ausstülpungen (Dünndarmzotten) entsteht eine sehr große Oberfläche, die nötig ist, um die Nährstoffe aus der Nahrung an das Blut weiterzugeben. Durch das Gluten, das in den Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste und Hafer enthalten ist, kommt es bei Zöliakie-Betroffenen zu einer Auto-Immunreaktion der Darmschleimhaut. Die Dünndarmzotten bilden sich zurück (Zottenatrophie). Das hat eine eingeschränkte Nährstoffaufnahme aus dem Darm (Malabsorption) zur Folge, da die Oberfläche des Darms immer kleiner wird. Dadurch können Nährstoffe, wie beispielsweise Vitamine und Spurenelemente (v.a. Eisen, Kalzium, Folsäure, Cobalamin, fettlösliche Vitamine) nur noch sehr stark eingeschränkt aus dem Dünndarm aufgenommen werden (Malabsorption). Es kommt zu einem Nährstoffmangel und zu den entsprechenden Folgeerkrankungen. Besonders bedeutend ist ein Eiweißmangel, der entscheidend für Wachstums- und Hormonstörungen ist. Bei schwangeren Frauen wirkt sich der Mangel auf das ungeborene Kind aus. Die Erkrankung kann sich äußern mit:

  • Durchfall/Verstopfung
  • Gastrointestinalen Blutungen
  • Blähungen
  • Krämpfen
  • Übelkeit
  • Gewichtsverlust
  • unspezifischen Symptomen: Migräne, Depressionen, Nervosität

Tritt die Gluteninduzierte Enteropathie im Jugend- und Erwachsenenalter auf, dann sind die Symptome oftmals sehr unspezifisch. Mögliche Symptome neben Malabsorption wären:

  • verzögerte Pubertät
  • Unfruchtbarkeit
  • Zahnanomalien
  • Muskelhypotonie
  • Osteoporose
  • Neurologische Erkrankungen
  • Geschwüre der Mundschleimhaut, des Dünndarms und der Speiseröhre
  • Laktoseintoleranz (Verwertungsstörung des Milchzuckers)

Die Erkrankung hat insgesamt einen phasischen Verlauf, wobei die Ausprägung der Symptome von einer schwachen Form bis zu einer Krise variieren kann.

Diagnose

Die Zöliakie tritt familiär gehäuft auf, es muss also eine genetische Veranlagung vorhanden sein. Die Befragung von Familienmitgliedern auf eine mögliche Erkrankung ist daher in vielen Fällen sehr hilfreich.

Obwohl im Blut mancher Patienten Antikörper gegen das Gluten zu finden sind, handelt es sich nicht um eine Allergie. Für eine Diagnose können serologische Tests auf Antikörper gegen Gluten durchgeführt werden. Eine sichere Diagnose erfolgt aber durch den mikroskopischen Nachweis der zerstörten Dünndarmzotten. Das bedeutet, dass eine Magen-Darm-Spiegelung durchgeführt werden muss, wobei der Arzt Gewebeproben entnimmt und sie mikroskopisch analysiert. Die Zottenatrophie lässt sich im Schweregrad nach „Marsh" einteilen.

Prävention

Kleine Mengen von glutenhaltigem Getreide können mit Beginn der Beikost gegeben werden. Eine Einführung von kleinen Mengen Gluten zwischen Beginn des 5. Monats und Beginn des 7. Monats während des Weiterstillens, kann der Entstehung von Zöliakie, Diabetes mellitus Typ 1 und Weizenallergie vorbeugen.

Therapie

Die Therapie besteht in einer streng glutenfreien Diät, die ein Leben lang beibehalten werden sollte. Das bedeutet den vollständigen Verzicht auf Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Grünkern und Dinkel. Stattdessen können Produkte aus Hirse, Reis, Mais, Buchweizen, Quinoa, Amaranth, etc. gewählt werden. In der Anfangsphase der Therapie sollte auch Laktose gemieden werden, da oftmals auch eine Laktoseintoleranz besteht. Nach der Regeneration der Darmschleimhaut werden Milchprodukte wieder vertragen. Aufgrund der Fettabsorptionsstörung wird auch die Aufnahme mittelkettiger Triglyceride (MCT-Fette) empfohlen. Es wird auch eine Supplementierung mit den fettlöslichen Vitaminen (Vitamine A, D, E ,K) sowie den verschiedenen Mineralstoffen empfohlen. Wird die Therapie nicht eingehalten, schreitet die Zottenatrophie fort und schwere Erkrankungen können die Folge sein.

Lebensmittelauswahl

Zu den glutenhaltigen Getreidesorten und Produkten werden vor allem:
Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Dinkel, Grünkern, Einkorn, Emmer, Urkorn, Kamut, Bulgur, Couscous, Triticale und Wildreis gezählt.

Die Betroffenen können aber problemlos auf:
Mais, Naturreis, Hirse, Amaranth, Quinoa und Buchweizen (= Knöterichgewächs, kein Getreide, nicht mit Weizen verwandt) ausweichen

Glutenfreie Produkte können in Reformhäusern, Drogeriemärkten oder Apotheken erworben werden.

Geeignete Lebensmittel:

  • Produkte aus Reis-, Mais- und Kartoffelstärke
  • Buchweizen-, Kastanien-, Hirsemehl
  • Saaten (Leinsamen, Sesam, Sonnenblumenkerne)
  • Soja - und Sojaprodukte
  • Hülsenfrüchte: Linsen, Erbsen, Bohnen, Erdnüsse
  • Maniok
  • Quinoa
  • Amaranth
  • Alle Produkte mit „Ersatzbindemitteln" aus Johannisbrotkernmehl, Guarkernmehl, Eiprotein, Tragant
  • Native Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, Eier, Milch, usw.
  • Käse, Fleisch- und Wurstwaren, wenn ohne Gluten zubereitet

Zu meidende Lebensmittel:

Alle Produkte, die Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel beinhalten, z. B.

  • herkömmliche Brot und Backwaren, Teigwaren
  • Knabbergebäck, Cornflakes, Fertiggerichte
  • Saucen, Dressings, Ketchup, Konserven, ...
  • Bier, lösliche Kaffees, Malzgetränke
  • Fetthaltige Süßigkeiten wie Pralinen, Nugat, Marzipan, ...
  • Milchprodukte nach Therapiebeginn vermeiden wegen evtl. sekundärer Laktoseintoleranz; nach Regeneration der Dünndarmschleimhaut langsam steigern

 

Unterschied zwischen Zöliakie und Weizenallergie

Bei der Weizenallergie handelt es sich nicht wie bei der Zöliakie um eine Erkrankung des Dünndarms, sondern um eine Allergie gegen das Eiweiß der Getreidesorte Weizen, andere Getreidesorten werden hingegen mehr oder weniger gut vertragen.

Weizen stellt in unseren Breiten das häufigste Getreideallergen dar. In Asien steht Reis, in den USA Mais an der Spitze der Getreideallergene. Damit wird der Zusammenhang zwischen Verzehrshäufigkeit und Allergiehäufigkeit deutlich.

Die Getreideallergene liegen dicht unterhalb der Schale des Getreidekorns. Beim Schälen des Korns wird ein Großteil dieser Eiweißbestandteile entfernt. Die Typenzahl des Mehls drückt aus, wie viel Schalenanteile das Mehl noch enthält. Je niedriger die Typenzahl, desto weniger Schalenanteile sind im Mehl noch vorhanden. Das bedeutet gleichzeitig, dass eine niedrige Typenzahl des Mehls für Allergiker günstiger ist. Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist diese Empfehlung aber nur dann haltbar, wenn auf die betroffene Getreidesorte auch wirklich eine Sensibilisierung und durch Provokation erwiesene Unverträglichkeit vorliegt. Denn je niedriger die Typenzahl des Mehls, desto geringer ist auch der Nährstoffgehalt.

 

Lebensmittelauswahl bei einer Weizenallergie

Zu meidende Lebensmittel:

  • Weizenmehle und Weizenvollkornmehle
  • Weizenkleie, Weizenstärke
  • Weizenkeimöl, Weizenbier
  • Bindemittel, Stärke, Semmelmehl, Malz
  • Vorsicht bei verarbeiteten Lebensmitteln

Geeignete Lebensmittel:

  • Hafer, Gerste, Roggen
  • Mais, Reis, Buchweizen, Hirse
  • Quinoa, Amaranth
  • Kartoffelstärke, Sojamehl, Guakernmehl und Johannisbrotkernmehl

Dinkel und Kamut sind uralte Weizenformen, die sich besonders geschmacklich vom hochgezüchteten Weizen unterscheiden. Nach neueren Untersuchungen sollen 80 % des Dinkeleiweißes mit Weizeneiweiß identisch sein, trotzdem wird auffällig häufig Dinkel besser vertragen als Weizen. Eine separate diagnostische Abklärung von Dinkel ist deshalb empfehlenswert.

Auch Grünkern (unreif geernteter gedarrter Dinkel) wird von den meisten Weizenallergikern vertragen, nur in seltenen Fällen kann es auch hier zu Überempfindlichkeiten kommen.

 

Quellen :

  1. BIESALSKI et al. Ernährungsmedizin, 3. Auflage, Thieme - Verlag, 2005
  2. ELMADFA/LEITZMANN Ernährung des Menschen, 4. Auflage, UTB - Verlag, 2004
  3. BUCHART K. Nahrungsmittelallergie, 2. Auflage, Studien-Verlag, 2005
  4. AK-NÖ: Nicht alles ist eine Allergie, 2004
  5. Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Zöliakie: Internet: www.zoeliakie.or.at
  6. Allergieambulatorium Reumannplatz : Internet: http://www.allamb.at/
  7. Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V.: Internet: http://www.dzg-online.de/
  8. KOULA-JENIK H, KRAFT M, MIKO M, SCHULZ RJ (HSRG.). Leitfaden Ernährungsmedizin. 1. Auflage, Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, 2006
  9. AGES, BMG & HVB, Österreichische Beikostempfehlungen, Expert/inn/enversionen, 2010 Internet: http://www.richtigessenvonanfangan.at/Richtig-essen/Informationen-fuer-Beratungsfachkraefte-und-Fachexpert-inn-en/Ernaehrung-im-ersten-Lebensjahr

     

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7 Stufen zur Gesundheit –
die Österreichische Ernährungspyramide

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